Der Mensch ist bei weitem nicht das einzige Lebewesen, das für bestimmte Aktionen eine Hand, ein Auge oder einen Fuß bevorzugt. Ganz im Gegenteil. Das Phänomen der Händigkeit zieht sich quer durch das Tierreich – allerdings in ganz unterschiedlicher Weise. So bevorzugen die meisten Menschen, Hauskatzen, Blauwale, Vögel und auch viele Menschenaffen die rechte Seite. Kängurus dagegen sind vorwiegend Linkshänder, wenn es ums Fressen, Kratzen oder Aufheben von Dingen geht. Allerdings ist die Händigkeit nur bei wenigen Tieren so ausgeprägt wie bei uns Menschen. Schimpansen beispielsweise scheinen ihre Händigkeit je nach Aufgabe und Tätigkeit zu ändern. Wie die Händigkeit bei Mensch und Tier entsteht und welchen biologischen Nutzen sie hat, ist bisher jedoch erst in Teilen erforscht.
Test im leeren Raum
Noch weniger weiß man bisher über die Händigkeit bei wirbellosen Tieren wie den Insekten. “Bestimmte Vorlieben für eine Seite scheinen sich bei ihnen jedoch im Zusammenhang mit der Eusozialität entwickelt zu haben”, sagt Thomas O’Shea-Wheller von der Louisiana State University. Gängige Annahme nach soll das Zusammenleben in enger Gemeinschaft die Ausprägung der lateralen Vorlieben fördern, im Gegenzug aber auch biologische Vorteile bringen. “Es stellt sich jedoch die Frage, welche Vorteile dies sein könnten”, so der Forscher. “Ich habe dies daher bei Honigbienen getestet, die wegen ihrer komplexen Sozialstaaten ideale Kandidaten für die Erforschung des Phänomens sind.” Von Honigbienen wisse man bereits, dass ihre Sinneswahrnehmungen leicht asymmetrisch sind: Die rechte Antenne und das rechte Auge der Sammlerinnen besitzt eine etwas größere Dichte an Riechsinneszellen, weshalb sie bevorzugt für die Wahrnehmung von Pheromonen und soziale Interaktionen verwendet wird.
Für seine Studie testete O’Shea-Wheller, ob Honigbienen bei der Erkundung ihrer Umgebung eine Asymmetrie aufweisen. Dafür ließ er jeweils 30 Sammlerinnen aus sechs verschiedenen Kolonien einen ihnen unbekannten leeren Raum erkunden. Dieser bestand aus einem Bienenstock-Kasten, der entweder komplett leer war oder im Inneren ein Labyrinth aus sich verzweigenden Gängen aufwies. Jede Biene wurde einzeln vor den jeweiligen Testkasten gesetzt, der zuvor gründlich von allen Duftspuren vorheriger Kandidatinnen gereinigt worden war. Sobald die Honigbiene den Kasten betrat, zeichnete der Biologe auf, in welche Richtung sie sich wandte.
Mit Vorliebe nach rechts
Das Ergebnis: Die Honigbienen bevorzugten beim leeren Kasten tatsächlich eine Seite: Betraten sie den leeren Stock, wendeten sie sich in großer Mehrheit nach rechts und erkundeten zunächst diesen Teil des Raumes – ähnlich wie auch wir Menschen bevorzugt einen Raum rechtsherumlaufend erkunden. “Dabei gab es keine signifikanten Abweichungen von diesem Trend zwischen den Bienenvölkern, der Orientierung der Kästen oder der Reihenfolge, in der die Bienen die Tests absolvierten”, berichtet O’Shea-Wheller. “Interessant ist auch, dass die Bienen signifikant weniger zögerten, wenn sie nach rechts als wenn sie geradeaus liefen.” Anders fiel die Reaktion allerdings aus, wenn die Bienen die Wahl zwischen zwei eher engen Labyrinthgängen hatten: Dann entschieden sie sich etwa gleich häufig für eine der beiden Richtungen, wie der Forscher berichtet.





