Wissenschaftler: “Kinder erlernen gewalttätiges Verhalten im Elternhaus”
Es gibt eine enge Verbindung zwischen dem Erleben und dem aktiven Gebrauch von Gewalt bei Heranwachsenden. Eine Studie der Wake Forest University bestärkt die These, dass aktive Gewaltanwendung das Ergebnis eines Lernprozesses ist, der persönliche Erfahrungen mit Gewalt und deren bloße Beobachtung einschließt. Die Untersuchung stützt sich dabei auf die Auswertung der Aussagen von 700 Schülern im Alter von 11 und 12 Jahren über einen Beobachtungszeitraum von 3 Monaten in einem Gebiet mit überdurchschnittlich vielen sozialen Problemen und geringen Familieneinkommen in Augusta, Georgia.
Die Wissenschaftler unter der Leitung von Robert H. Du Rant unterschieden die von Kindern persönlich erlebte Gewalt in fünf Gruppen:
Physische Gewaltanwendung, die medizinische Behandlung nach sich zog,
Angriff mit einer beliebigen Waffe,
Benutzung einer Waffe, um Geld oder andere Gegenstände zu erpressen,
Tragen von verborgenen Feuerwaffen,
Besitz von Waffen wie Rasierklingen und Messern.
Nur 1.4 Prozent der befragten Kinder waren in den zurückliegenden 3 Monaten nicht mit Gewalt konfrontiert worden, während 54.1 Prozent mindestens ein und bis maximal 15 Mal mit den beschriebenen Gewaltformen in Berührung gekommen waren. 24 Prozent der Kinder waren in jeweils einem Fall selbst aktiv gewalttätig gewesen, 12 Prozent der Kinder sogar bis zu sechs Mal.
“Kinder erlernen gewalttätiges Verhalten im Elternhaus und unter Gleichaltrigen, verstärkt werden die individuellen Erlebnisse durch den ‘Konsum’ von Gewalt im Fernsehen, im Internet und Videospielen.”, fasste Du Rand die Ergebnisse der Untersuchung zusammen. Mit dem Gebrauch von Drogen, den Anfängen von Depressionen, der Hinwendung zu Gangs erhöht sich die Gefahr, dass Kinder selbst aktiv gewalttätig werden nochmals. Werden gefährdete Kinder physisch bestraft, verbal, körperlich oder sexuell missbraucht, ist das aggressive Verhalten gegen andere vorprogrammiert.
Du Rant fordert eine Erziehung zur Gewaltprävention mit dem Schwerpunkt des Erlernens von gewaltfreien Methoden zur Konfliktbewältigung und dem generellen gewaltfreien Umgang miteinander bereits im Grundschulalter. Kinder müssen nach seiner Auffassung diese Techniken beherrschen, bevor sie weiterführende Schulen besuchen.
Marion Herzog





