Fast die Hälfte aller Vogelarten lebt in tropischen Regionen – sie sind ein Hotspot der geflügelten Artenvielfalt. Doch für viele tropische Vögel liegen die dortigen Temperaturen bereits nahe ihrer thermischen Toleranzgrenze. Bekannt ist, dass die Erderwärmung und die damit steigenden Durchschnittstemperaturen daher auch diesen Tropenvögeln zusetzen. „Hohe Temperaturen können zu erhöhter Sterblichkeit, verringerter Fruchtbarkeit, verändertem Brutverhalten und verringerter Überlebensrate der Nachkommen führen“, erklärt ein Team um Maximilian Kotz vom Barcelona Supercomputing Centre. Denn Vögel reagieren besonders empfindlich auf Dehydrierung und Hitzestress.
Wie kommen Vögel mit Wetterextremen klar?
Unklar blieb jedoch bislang, wie sich kurzfristige Extremwetterereignisse wie Hitzewellen oder Starkregen auf diese Tiere auswirken. Solch heiße oder nassen Phasen treten mit dem Klimawandel immer öfter auf und werden intensiver. Aber erholen sich die Vögel zwischen den einzelnen Wetterextremen wieder oder summiert sich ihr schädlicher Einfluss auf? Diese Fragen sind schwer zu beantworten, da viele Vogelarten auch ohne Klimawandel bedroht sind – etwa durch die Jagd, durch den Verlust ihres Lebensraums durch Abholzung oder durch invasive Arten.
Forschende um Kotz haben nun näher untersucht, wie groß der Einfluss des Klimawandels und von Hitzewellen auf Vögel ist. Dafür analysierten sie den Bestand von 3.109 Vogelpopulationen weltweit und wie sich dieser zwischen 1950 und 2020 verändert hat. Mithilfe von Computermodellen ermittelten sie anschließend daraus, wie groß der Einfluss der einzelnen Faktoren statistisch gesehen ist. Die Analyse ergab, dass die Erderwärmung per se nur geringen Einfluss auf die Vogelpopulationen hat. Veränderungen der Durchschnittstemperatur und des langfristigen Niederschlags machten den Tieren demnach eher wenig aus.

Tropenvögel sind besonders anfällig
Anders ist dies mit Wetterextremen: Tage mit für die Gegend historisch ungewöhnlich extremer Hitze oder Starkregen reduzierten die jährlichen Vogelbestände stark, insbesondere in tropischen Regionen. Waren Vögel dort vor vierzig Jahren noch durchschnittlich drei Tagen extremer Hitze pro Jahr ausgesetzt, so sind es heute 30 Tage. Diese klimabedingte Zunahme von Hitzewellen und Starkregen belasten Tropenvögel langfristig und stärker als bislang gedacht, wie die Auswertungen ergaben: „Im Vergleich zu einem kontrafaktischen Szenario ohne vom Menschen verursachten Klimawandel hat die historische Verschärfung der Hitzeextreme zu einem Rückgang der Population tropischer Vögel um 25 bis 38 Prozent geführt“, schreibt das Team.





