In Asien scheinen Elefanten zum Alltag zu gehören. Kein anderes Tier hat die asiatische Kultur, Wirtschaft und Religion so sehr geprägt wie der Elefant. Er diente über die Jahrhunderte hinweg als Lasten- und Zugtier, als Helfer bei Kriegszügen, als Statussymbol oder er wurde sogar als Gottheit verehrt. Doch was viele nicht wissen: Obwohl Asiatische Elefanten schon seit mehr als 4000 Jahren in Gefangenschaft gehalten und zum Arbeiten eingesetzt werden, sind sie nie domestiziert worden. Weil sie nie über Generationen hinweg selektiv gezüchtet wurden, sind sie bis heute Wildtiere geblieben.
Blick hinter die Kulissen des Elefantentourismus
“Der Großteil der Elefanten im Dienst des Menschen wurde und wird noch heute in freier Natur eingefangen, nur sehr wenige Tiere wurden in Gefangenschaft geboren”, erklären Adeline Fischer von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife und ihre Kollegen. “Anders als meist suggeriert wird, sind die gefangenen Elefanten keine Waisen. Die Tiere stammen stattdessen häufig direkt aus der Wildnis, nicht selten wird für ein Elefantenbaby die ganze Herde getötet.”
Das gilt auch für die Elefanten, die in vielen asiatischen Ländern dem Tourismus dienen. Die Tiere werden in Camps gehalten, in denen die Touristen die “grauen Riesen” bestaunen, fotografieren und auf ihnen reiten können. Was jedoch hinter den Kulissen dieser Elefantencamps vorgeht, ist kaum bekannt. Pro Wildlife hat daher in einem neuen Bericht zusammengestellt, welche Probleme mit solchen Elefantencamps und dem Elefantentourismus insgesamt verbunden sind.
Oft illegale Wildfänge
Ein wichtiger Aspekt ist die Herkunft der Elefanten: Viele Tiere wurden illegal gefangen und gehandelt, wie Pro Wildlife berichtet. Weil der Bedarf an Elefanten für den Tourismus so groß ist, wird er insbesondere in Thailand auch mit Elefanten aus den Nachbarländern gedeckt – trotz internationaler Handelsverbote. “Die Elefanten werden illegal über die Grenzen gebracht und steigende Besucherzahlen in den Elefantencamps befeuern den Markt weiter”, berichtet Fischer.
In Sri Lanka stammen nach Schätzungen von Tierschutzorganisationen 75 Prozent der im Tourismus eingesetzten Elefanten aus der Wildnis und wurden illegal eingefangen. “Der asiatische Elefant ist vom Aussterben bedroht und diese Form des Tourismus trägt noch dazu bei, die Zahlen weiter zu dezimieren”, betont Fischer. “Es gibt noch etwa 44.000 wildlebende asiatische Elefanten. Dem gegenüber stehen 15.000 Tiere in Gefangenschaft.”
Gewaltsames Brechen des Willens
Ein weiteres Problem ist die Haltung und das Abrichten der Rüsseltiere: “Ein Elefant beugt sich nur unter Anwendung von massiver Gewalt dem Willen des Menschen”, erklärt Fischer. “Dafür werden die Tiere über einen langen Zeitraum mit Hilfe von Seilen und Ketten fixiert und mit Schlägen sowie Nahrungs- und Wasserentzug gefügig gemacht, bis ihr Willen gebrochen ist.” Bei dieser als englisch “Crush” oder thailändisch “Phaajan” bezeichneten Prozedur dienen Angst und Strafen als Mittel, um den Elefanten dazu zu bringen, Befehlen zu gehorchen und Reiter auf seinem Rücken zu dulden. “Im Durchschnitt überlebt nur eines von drei wild gefangenen Elefantenjungen diese Prozedur”, heißt es im Pro Wildlife-Bericht.





