Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, dass die US-Energieunternehmen mehrheitlich auf einen Wahlsieg des Republikaners hoffen – und die Umweltverbände mit Obama paktieren. Allgemein indes spielen Klimawandel und Umweltpolitik in diesem US-Wahlkampf nur eine nachgeordnete Rolle. Die Republikaner haben sich ohnehin entschlossen, die Augen vor der Realität zu verschließen.
Nach wie vor leugnen die Republikaner den Klimawandel. Und ihre Antwort auf Amerikas Abhängigkeit von Erdölimporten lautet banal: „Drill, baby, drill – bohr, Baby, bohr.“
Romney will Beschränkungen für Erdölexploration vor den Küsten Kaliforniens und Floridas und hoch oben in Alaska aufheben und bisher geschützte weite Land-striche im Bundesbesitz für die Energieproduktion freigeben. Sicherheits- und Umweltstandards, die unter Obama nach der Ölpest im Golf von Mexiko 2010 eingeführt wurden, sollen wieder gelockert werden.
Aber auch Obama spricht – im Gegensatz zum Wahlkampf vor vier Jahren – eher selten von Klima- und Umweltschutz. Ein Sprecher seines Wahlkampfteams sagte Ende August: „Klar ist der Klimawandel für diese Regierung eine wichtige Sache. Aber im Augenblick geht es uns vor allem um Jobs und die Wirtschaft.“ Und Obama selbst betont seine Anstrengungen zur Steigerung der heimischen Energieproduktion: „Die USA fördern so viel Öl wie seit acht Jahren nicht mehr“, sagte er zu Beginn des Wahljahres und „die Gasproduktion ist gestiegen. Wir verdoppeln die Energiegewinnung durch Windkraft- und Solaranlagen. Wir müssen jeden in Amerika produzierten Energieträger anzapfen.“
Das war zweifellos eine Kehrtwende. Viele US-Umweltschützer haben sie wütend als Obamas Kniefall vor der Ölindustrie gebrandmarkt. „All of the above“ hat das Weiße Haus dagegen verharmlosend den neuen Ansatz genannt, „von allem etwas.“ Also nicht nur die Steigerung der US-Energieproduktion durch saubere Energiequellen (zu denen Obama immer schon die Atomkraft zählte), sondern auch durch Kohle, Öl und Gas. Obama wollte sich damit vor Angriffen der Republikaner schützen, die seine Umweltpolitik für die hohen Energiepreise verantwortlich machen wollten. Das ist ihm gelungen: Der Benzinpreis ist kein Aufreger im Wahlkampf. Und der Umweltschutz eben auch nicht.
Doch tatsächlich klaffen Welten zwischen beiden Kandidaten. Zwar ist die versprochene große Energiewende unter Obama ausgeblieben. Die Pläne für ein Klimaschutzgesetz und den landesweiten Emissionshandel wurden 2010 sang- und klanglos beerdigt, weil sie den Kongress wohl nicht passiert hätten. Und schon gar nicht war Obamas Amtsantritt der „Moment, an dem der Anstieg des Meeresspiegel sich zu verringern begann und der Heilungsprozess unseres Planeten einsetzte“, wie er 2008 versprochen hatte.





