In welche Länder wird Horn und Elfenbein geschmuggelt?
Vor allem nach Vietnam. Das Land ist zum größten Konsumenten von Rhino-Horn aufgestiegen. Man nimmt das Pulver mit auf Partys, träufelt es in den Wein und glaubt dann ganz fest, dass man am nächsten Tag keinen Kater hat, was Unfug ist. Und es geht um Status. Denn wer Horn hat, gilt als reich. Horn und Elfenbein haben in Vietnam einen Ferrari-Faktor. Des Weiteren gibt es Syndikate, die gezielt krebskranke, wohlhabende Menschen ansprechen. Immer mehr Vietnamesen haben schon von dem Mythos gehört, dass sich mit dem Pulver die Krankheit heilen lässt – natürlich funktioniert das nicht. Zuweilen wird Horn und Elfenbein aber auch als Geschenk verwendet – an Politiker oder Wirtschaftsbosse. Es gibt nur sehr wenig Bedenken, was gefährdete Tierarten angeht.
Was ist zu tun?
Kurz gesagt: Es reicht nicht, wenn der Zoll große Elfenbeinfunde macht. Es muss dann auch zu Verhaftungen, Anklagen und Prozessen kommen.
Wie verschaffen Sie sich einen Überblick über den illegalen Handel?
Undercover geht nicht mehr, das ist zu gefährlich. Ich manage eine globale Datenbank zum Handel mit Elfenbein, das so genannte Elephant Trade Information System, kurz ETIS. In die Datenbank fließen Erkenntnisse aus der ganzen Welt ein – von Regierungsstellen, Naturschutzorganisationen und Medienberichten. Derzeit sind etwa 18500 Vorfälle erfasst, die sich in den vergangenen drei Jahren ereignet haben. Es ist ein sehr starkes Werkzeug. Eines der Ergebnisse: 2011 wurde so viel Elfenbein geschmuggelt wie seit 23 Jahren nicht mehr. Wir nähern uns derzeit wieder rasant dem Niveau der 80er Jahre an, als Elefanten- und Nashorn-Populationen in der tiefsten Krise steckten.
Sie arbeiten nur noch am Rechner?
Nein, wir schicken auch Mitarbeiter auf Märkte etwa in Thailand. Elfenbein ist ein Luxusprodukt, das ausgestellt werden muss, um Käufer zu finden. Man muss nur bestimmte Geschäfte aufsuchen. Und das geht relativ gefahrlos. Wenn es Elfenbein gibt, sieht man es, kann es zählen und ungefähr bestimmen, wie viel es gibt. In Thailand haben wir Hunderte Geschäfte ausfindig gemacht; wir gehen von 26000 Produkten aus – und wenn man dann bedenkt, wie viele deutsche Touristen dort jedes Jahr Urlaub machen …





