Das Herz am rechten Fleck zu haben ist keine Selbstverständlichkeit ? und das nicht nur im übertragenen Sinn. Mindestens zwei mechanische Kräfte sind offenbar dafür verantwortlich, dass sich das Herz während der Embryonalentwicklung mit einem elegantem Schwung an den vorgesehenen Platz dreht. Darauf deuten jahrelange Untersuchungen an Herzen von Hühnerembryos des Forscherteams um Larry Taber hin, Professor an der Washington University in St. Louis.
Die Wissenschaftler konnten beobachten, wie sich das Herz in nur einem Bruchteil einer Sekunde zunächst krümmt und anschließend dreht. Die anmutige Bewegung muss sehr präzise sein, damit beispielsweise Arterien an den dafür vorgesehenen Stellen anschließen können.
Die Biomechaniker zeigen damit zudem, dass nicht allein die Gene die Entwicklung des embryonalen Herzen steuern. “Genetische Forscher würden sagen, das Herz rotiert oder es rotiert nicht. Sie sagen nicht, dass sich das Herz zwar krümmen, anschließend aber nicht drehen könnte. In unseren Experimenten haben wir jedoch gesehen, dass genau das passieren kann”, erklärt Taber die Bedeutung seiner Forschungsbemühungen.
Zur Zeit untersuchen seine Mitarbeiter die Herzregionen nach Unterschieden in Festigkeit und Stärke der Zellkontraktionen. Die, so vermuten die Forscher, könnten für den ersten Schritt des Herzsaltos, für die Krümmung des Embryoherzens verantwortlich sein.
Die neuen Erkenntnisse gelten wohl auch für den Menschen, denn die Herzentwicklung in Hühnerembryonen ist vergleichbar mit der Entwicklung des menschlichen Herzens.
Andrea Hoferichter





