Bei einem bestimmten Gehirntumor, dem Medulloblastom lassen sich die Chancen auf Heilung aus den Genen ablesen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team aus 25 amerikanischen Wissenschaftlern, großteils von der Harvard Medical School in Boston. Ihre Arbeit stellen die Forscher in der Zeitschrift Nature vor.
Das Medulloblastom ist einer der häufigsten Gehirntumoren im Zentralnervensystem bei Kleinkindern. Die Chancen, fünf Jahre mit dieser Krebserkrankung zu überleben, betragen lediglich fünfzig Prozent. Doch wovon die Heilungschancen abhängen, wie die Krankheit im Detail verläuft und sie sich gegenüber anderen Gehirntumoren abgrenzen lässt, lag bislang weitgehend im Dunklen.
Den Medizinern um den Neurowissenschaftler Scott Pomeroy gelang es, einige dieser Fragen zu klären, indem er 99 Patienten mit verschiedenen Gehirntumoren untersuchte, darunter auch 60 Kinder mit einem Medulloblastom. Von allen Patienten analysierten die Mediziner die Eiweißfabrik, die mRNA, in den Krebszellen. Dabei prüften sie, welche Eiweiße die Proteinfabrik der Zelle herstellt. So erhielten sie eine Art Produktionsplan der Zelle, Genexpressionsarray genannt.
In den Ergebnissen der Genexpressionsarrays ihrer Patienten erkannten die Forscher Erstaunliches: Nicht nur ließ sich so das Medulloblastom eindeutig von anderen Hirntumoren unterscheiden, vielmehr konnten die Mediziner aus dem Array auch den Ausgang der Krankheit vorhersagen.
Sollten sich die Ergebnisse der Wissenschaftler bestätigen, könnte von vornherein für ein Kind mit Medulloblastom eine passende, individuelle Therapie gewählt werden: Deuten die Genanalysen auf gute Heilungschancen hin, so genügt eine mildere, weniger belastendere Therapie. Lässt der Array einen besonders hartnäckigen Krebs erwarten, könnte man neue und schlagkräftige Therapien in Betracht ziehen.
Susanne Donner





