Text: Leonie Fößel
Wer kennt es nicht: Beim Schrankaufräumen vergisst man die offene Türe über sich und schlägt sich daran den Kopf an. Um eine Beule zu vermeiden, folgt meist der schnelle Griff ins Eisfach. Den kühlenden Eisbeutel auf die schmerzende Stelle pressen – und schon nach ein paar Sekunden wird es besser. „Ich lege mich jetzt mal drei Tage in die Eis-Tonne und dann sehen wir weiter“: Spätestens seit dieser 2018 viral gegangenen Aussage des Ex-Nationalfußballers Per Mertesacker ist es auch kein Geheimnis mehr, dass Sportler und Sportlerinnen Eisbäder zur Muskelregeneration anwenden. Es ist auch nichts Neues, dass kaltes Wasser bei kleinen Verbrennungen hilft. Schon die alten Griechen therapierten Krankheiten mit Eis – „kryos“ bedeutet kalt auf Griechisch. Deshalb heißt die Therapie von Krankheiten durch Kälte Kryotherapie. Was aber passiert dabei?
Schmerzen werden nicht weitergeleitet
Kälte blockiert die Schmerzrezeptoren im Körper. So können sich verkrampfte Muskeln entspannen. Was im Kleinen hilft, funktioniert auch bei verschiedenen, teils gravierenderen Krankheiten: etwa bei Rheuma oder Erkrankungen wie Morbus Bechterew, wo hauptsächlich die Wirbelsäule und das Becken schmerzen. Auch chronische Krankheiten wie Fibromyalgie können durch Kälte behandelt werden, ebenso Krebs. Allerdings reicht für die Behandlung solcher Leiden die Temperatur aus dem Kühlfach nicht aus. Es muss viel kälter werden. So kalt, dass es der menschliche Körper nicht länger als ein paar Minuten aushält. Dabei gehen die Patienten für kurze Zeit in eine Kältekammer, bei bis zu –160 Grad Celsius. Das menschliche System ist für eine derartige Kälte nicht gemacht: Ohne kontinuierliche Bewegung besteht schon ab fünf Grad die Gefahr zu erfrieren. Deshalb ist es auch in der Kältekammer nötig, während der nur wenige Minuten dauernden Behandlung stets in Bewegung zu bleiben. Zur Gewöhnung müssen Patientinnen und Patienten für 30 Sekunden in eine Vorkammer bei –60 Grad Celsius. Danach geht es in die Kältekammer, maximal drei Minuten lang bei bis zu –160 Grad, lediglich mit Badekleidung und bedeckten Händen, Füßen und Ohren.
Wie die extreme Kälte unsere Schmerzen lindert
Grundsätzlich gilt: Bei der schnellen Absenkung der Hauttemperatur von 1 Grad Celsius pro Sekunde erlebt der Körper eine thermale Schockreaktion. Reflexartig reduziert der Körper die Schmerzen: Die Blutgefäße verengen sich, der Stoffwechsel wandert in den Körperkern. Der Sympathikus als Teil unseres Nervensystems wird aktiviert, steigert die Herzfrequenz und entspannt die Lunge. Der Kälteschock regt den Zellstoffwechsel an, wirkt durchblutungsfördernd und entzündungshemmend.





