Weibliche Putzerlippfische haben nichts dringlicheres im Sinn, als sich in Männchen umzuwandeln. Da die Tiere in Haremsverbänden leben, schafft dies nach dem Verschwinden – beispielsweise nach dem Ableben – des Paschas immer nur das größte und stärkste Weibchen. Japanische Forscher haben nun herausgefunden, dass ein Haremswechsel die Geschlechtsumwandlung begünstigt.
Weibchen des Putzerlippfisches Labroides dimidiatus besuchen manchmal für kurze Zeit benachbarte Harems ihrer Artgenossen. Dabei erkunden sie deren soziale Struktur, wie japanische Wissenschaftler von der Osaka City University und der Chukyo University erforscht und in Animal Behaviour berichtet haben (62, 251-257).
Die Weibchen treten besonders häufig endgültig in einen benachbarten Harem ein, wenn sie dessen soziale Zusammensetzung zuvor durch zahlreiche Besuche genau einzuschätzen gelernt haben: Dadurch entkommen die Fische der unter Umständen weit stärkeren Konkurrenz im eigenen Haremsverband und haben in der neuen Umgebung größere Chancen, sich in Männchen umzuwandeln. Wechselwillige Weibchen werden deswegen in der Regel früher zu Männchen als diejenigen Fische, die ihren ursprünglichen Verband nie verlassen.
Der attraktiv gefärbte – schwarzes Band auf blauweißem Grund – Putzer Labroides dimidiatus erreicht nur etwa 10 Zentimeter Länge. Er ist im westlichen Pazifik und im Indischen Ozean weit verbreitet. Zwischen anderen Fischen und dem Putzer besteht eine Symbiose: Er befreit seine Fischkollegen von lästigen Ektoparasiten, die ihm als Nahrung dienen.
Dr. Sebastian Messerschmid





