Menschen, die häufig auf Geschäftsreisen gehen, lassen ihre Partner mit den Sorgen des Alltags zuhause. Dass diese Belastung auch die seelische Gesundheit der Daheimgebliebenen gefährden kann, berichten Gesundheitsexperten der Weltbank nun im “Journal of Occupational and Environmental Medicine”. Nach den Ergebnissen ihrer Studie leiden die Ehepartner von Geschäftsreisenden doppelt so häufig unter psychischen ? darunter vor allem stressbedingten ? Erkrankungen wie Lebensgefährten von weniger mobilen Partnern.
Lennart Dimberg und seine Mitarbeiter von der Abteilung für Gesundheitsfürsorge der in Amerika ansässigen Weltbank hatten untersucht, wie oft die Ehegatten der Bankangestellten über ein Jahr hinweg ihre Krankenversicherung in Anspruch genommen hatten. Wie sich zeigte, waren Partner von vielreisenden Beschäftigten deutlich häufiger krank als die Partner der anderen Angestellten: die Gesamtzahl ihrer Krankenkassenleistungen überstieg die der Vergleichsgruppe um 16 Prozent.
Vor allem psychische Leiden belasteten die Dagebliebenen. Ehepartner, deren Gatten sich mehr als viermal im Jahr auf Geschäftsreise in Übersee begaben, quälten sich sogar dreimal häufiger mit seelischen Erkrankungen. Bei Frauen war das Phänomen ausgeprägter als bei Männern.
“Durch die vielen Unterbrechungen des Familienlebens kann sich keine Routine einstellen”, spekulieren die an der Studie beteiligten Psychologen. Über Telefon und E-mail Kontakt zu haben, sei nicht dasselbe wie vor Ort zu sein. Die Alltagentscheidungen blieben so an dem dagebliebenen Ehepartner hängen.
Irina Lorenz-Meyer





