Sich gegenseitig zu helfen, bildet die Basis für das soziale Miteinander. Aber längst nicht nur wir Menschen tun einander Gutes und verhalten uns auch mal selbstlos. So wurden Elefanten zum Beispiel schon dabei beobachtet, wie sie andere Gruppenmitglieder trösten, und Ratten dabei, wie sie Artgenossen ohne Gegenleistung aus Käfigen befreien. Es gibt allerdings noch zahlreiche andere Tierarten, bei denen solche altruistischen Verhaltensweisen bislang kaum untersucht wurden – darunter Nutztiere, obwohl diese häufig in Sozialverbänden leben und somit eigentlich prädestiniert dafür wären.
Ein falscher Apfelbaum als Moralanzeiger
Diese Wissenslücke haben Annkatrin Pahl vom Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) in Mecklenburg-Vorpommern und ihre Kollegen nun zumindest teilweise geschlossen. In einer neuen Studie boten sie Hausziegen die Chance, mit selbstlosem Verhalten zu glänzen. Dafür konstruierte das Team einen Testapparat namens „Fake Apple Tree“ („Falscher Apfelbaum“), der vom natürlichen Kletterverhalten der Ziegen inspiriert ist.

Klettert eine Ziege auf ein Podest – den Ast des Baumes – bewegt sich auf der anderen Seite ein Futterspender mit leckeren Nudeln nach unten. Wenn die Ziege ihr Podest verlässt, um naschen zu gehen, springt der Futterspender jedoch wieder nach oben. Auf das Podest zu klettern, bringt der Ziege selbst somit keine Snacks ein. Sie kann damit höchstens einer zweiten, auf der Versuchswiese befindlichen Ziege zu Futter verhelfen. Doch würde sie das wirklich tun?
Ziegen helfen einander – zumindest manchmal
Tatsächlich: Zwar handelte es sich bei zwei Dritteln der Sprünge aufs Podest um Versuche der jeweiligen Ziegen, selbst an die Nudeln zu kommen. Doch immerhin ein Drittel der Aktionen interpretierten Pahl und ihr Team als selbstlosen Akt, um Ziege Nummer zwei einen Snack zu bescheren. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass prosoziale Tendenzen auch bei Nutztieren wie Ziegen auftreten, wenn man die Versuchsbedingungen an deren natürliche Verhaltensweisen anpasst“, berichtet Seniorautor Jan Langbein.
Interessanterweise war aber nicht jede Ziege gleich spendabel. Sechs von zehn Versuchstieren handelten häufiger egoistisch als altruistisch, bei drei war das Verhältnis ausgewogen und nur bei einer Ziege überwog die selbstlose Ader. „Die Nahrungssuche ist aufwendig, und daher könnte die egoistische Nahrungsaufnahme der beste Weg sein, um das eigene Überleben zu sichern, insbesondere wenn unsicher ist, ob das belohnte Gegenüber die prosoziale Handlung anschließend erwidert“, schreiben Pahl und ihre Kollegen.





