Text: Dirk Engelhardt
Klimaschutz, Energieeffizienz und nachhaltiges Bauen gewinnen beim Hausbau wie bei der Sanierung bestehender Gebäude zunehmend an Bedeutung. Weil viele Hauswände angeblich nicht ausreichend isolieren, wurde in den vergangenen Jahrzehnten millionenfach nachgebessert: mit Dämmung aus Polystyrol. Doch die vielfältigen Schattenseiten dieser Methode haben sich inzwischen herumgesprochen: Die Produktion ist energieintensiv, Wohnungen haben Probleme mit Schimmel, das Raumklima ist schlecht – um nur einige Nachteile zu nennen. Für die Bewohner kann das gesundheitliche Folgen haben, was schon in den 70er Jahren als Sick-Building-Syndrom bezeichnet wurde. Eine gute Alternative sind natürliche Baumaterialien, im konkreten Fall der Dämmung gepresstes Stroh.
Bisher fristet das Strohballenhaus in Deutschland ein Nischendasein. Von außen sieht man diesen Häusern meist nicht an, dass sie nur mit Strohballen gebaut wurden, da das Stroh mit Lehm und Kalk verputzt wird. So entsteht eine robuste und ästhetische Oberfläche. Die mit Lehm verputzten Wände sind meist nicht so eben, wie man es von konventionellen Häusern kennt. Aber gerade diese Lebendigkeit verleiht Strohballenhäusern ihren Charme. Und vor Schädlingen braucht auch niemand Angst haben: Insekten nisten sich im Stroh nicht ein, da es zum einen sehr dicht gepresst ist, zum anderen der Außenputz und die Innenverkleidung das Eindringen verhindern.
In der Theorie gefördert …
Auf dem Papier stehen Strohballenhäuser in der Gunst des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) hoch im Kurs. „Die im Juni 2023 verabschiedete Holzbauinitiative von Bundesbauministerium und dem Bundeslandwirtschaftsministerium zielt auf die Stärkung des klimafreundlichen Bauens mit Holz aus nachhaltiger Holzwirtschaft und anderen nachwachsenden Rohstoffen. Stroh und die daraus gewonnenen Bauprodukte fallen darunter“, resümiert Daniel Totz, Sprecher des BMWSB. Seiner Formulierung ist jedoch schon anzumerken, dass die Förderung recht vage ausfällt. So gibt Totz auch keine klare Antwort darauf, warum die enorm umweltschonende Bauweise mit natürlichen Baustoffen in Deutschland nicht öfter zur Praxis kommt. Seine Antwort: „In unseren Neubauförderprogrammen wie dem klimafreundlichen Neubau sind performance-orientierte Anforderungswerte an Bauwerke auf der Grundlage der Gebäudeökobilanzierung (LCA) verankert, die grundsätzlich materialneutral und technologieoffen zu erreichen sind.“ Totz verweist auf die Broschüre „Strohgedämmte Gebäude“, die Ansätze und Methodik der Ökobilanzierung beim Bauen mit Stroh zeigt, und auf das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG). Doch Broschüren und Siegel reichen eben nicht, um das Bauen in Deutschland grundlegend zu verändern.





