Die Gewässer rund um die Antarktis sind für die globale Speicherung von Kohlendioxid (CO 2) bekanntermaßen enorm wichtig: Etwa zehn Prozent der gesamten langfristigen CO 2-Bindung durch die Ozeane findet in dieser Meeresregion statt. Dafür sind chemische, aber auch biologische Prozesse verantwortlich: Das Phytoplankton benötigt im Rahmen der Photosynthese CO 2, um seine kohlenstoffreiche Biomasse aufzubauen. Das Kohlendioxid stammt dabei aus der Atmosphäre – es löst sich in den oberen Wasserschichten und gelangt so zu den mikroskopisch kleinen Algen, die dem Wasser eine grünliche Farbe verleihen. Wenn die winzigen Organismen absterben, sinkt ein Teil von ihnen auf den Meeresgrund und bildet dort kohlenstoffreiche Ablagerungen. Im Rahmen dieser CO 2-Fixierung wurde der Effekt der Mineralien aus dem Schmelzwasser von Eisbergen bisher als unwichtig eingestuft. Doch wie die Forscher um Grant Bigg von der University of Sheffield nun zeigen konnten, kommt den driftenden Eismassen wohl doch eine erstaunlich große Bedeutung zu.
Blick auf wandernde Riesen und die Farbe des Wassers
Die Ergebnisse basieren auf der Auswertung umfangreicher Satellitendaten des südlichen Ozeans aus den Jahren 2003 bis 2013. Bei ihren Auswertungen konzentrierten sich die Forscher auf besonders große Eisberge: Exemplare von mindestens 18 Kilometer Länge, von denen sich häufig Dutzende gleichzeitig auf Reisen befinden. Durch die Satellitenaufnahmen waren die Wege dieser driftenden Giganten nachvollziehbar und auch die farblichen Merkmale des Wassers auf ihren Routen. In Bereichen, in denen es besonders viel Phytoplankton gibt, ist das Wasser durch den Pflanzenfarbstoff Chlorophyll besonders intensiv grün gefärbt, erklären die Forscher.
Driftende Düngetabletten mit Klimaeffekt
Ihren Ergebnissen zufolge zeigt sich der günstige Effekt der Eisberge auf die Entwicklung des Phytoplanktons noch Monate nachdem einer der Giganten in einem Bereich durchgezogen ist. Mit anderen Worten: Sie hinterlassen im Meerwasser einen grünen Schweif, der weit über hundert Kilometer lang sein kann. “Der Effekt auf das Chlorophyll erstreckt sich in der Regel über einen Radius des Vier- bis Zehnfachen der Länge des Eisbergs”, sagt Bigg. Verantwortlich für den Wachstumsschub ist den Forschern zufolge neben anderen Nährelementen vor allem das Eisen im Schmelzwasser. Es handelt sich dabei um einen bekannten Mangelnährstoff, dessen Knappheit das Wachstum des Phytoplanktons typischerweise begrenzt. “Die Analysen legen nahe, dass die riesigen Eisberge durch ihren Düngeeffekt eine wichtige Rolle im Kohlenstoffkreislauf des Südlichen Ozeans spielen”, so Bigg.





