Die Sahelzone am Südrand der Sahara reicht vom Senegal im Westen bis nach Äthiopien im Osten Afrikas. Einst eine fruchtbare Region, ist die Sahelzone heute karg, trocken und in weiten Teilen nahezu frei von Vegetation. Gründe sind Dürren, die Fällung von Bäumen für Feuerholz sowie die Übernutzung durch Viehbeweidung und ungeeignete landwirtschaftliche Anbaumethoden. Als Folge kämpfen viele Menschen in dieser Region ums Überleben, weil ihnen ihre Lebensgrundlage wegzubrechen droht.
Um gegenzusteuern, hat die Afrikanische Union im Jahr 2017 ein ambitioniertes Projekt beschlossen: Die größtenteils degradierten Lebensräume der Sahelzone sollte auf rund 100 Millionen Hektar Fläche nach und nach wieder renaturiert werden – beispielsweise durch das Pflanzen von heimischen Bäumen, Sträuchern und Gräsern sowie nachhaltige Formen des Nutzpflanzenanbaus. Diese “Grüne Mauer” soll die Böden der Sahelzone vor weiterer Degradation bewahre, das Vorrücken der Wüste aufhalten und den Menschen in diesem Gebiet helfen, ihre Ernährung zu sichern. Die Wiederbegrünung der kargen Sahel trägt zudem dazu bei, das Treibhausgas Kohlendioxid zu binden und wirkt so dem Klimawandel entgegen.
Wo und wie ist die Grüne Mauer sinnvoll und lohnend?
Bislang jedoch wurde die “Green Wall”-Initiative nur auf rund vier der geplanten 100 Millionen Hektar umgesetzt – auch, weil es an finanziellen Mitteln fehlt. Das aber wird sich ändern: Anfang 2021 haben verschiedene Geberländer auf dem „One Planet“-Gipfel für Biodiversität fast 15 Milliarden US-Dollar für das Projekt zugesagt. „Um diese Mittel effizient zu verwenden, müssen wir uns nun fragen, wo und für welche Maßnahmen sie am sinnvollsten eingesetzt werden sollten“, sagt Alisher Mirzabaev vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn. Genau das haben er und seine Kollegen nun genauer untersucht. Dafür teilten sie die Sahelzone in 40 Millionen Parzellen von jeweils 25 Hektar auf und analysierten für jede, welche Renaturierungsmaßnahmen dort möglich wären und wie viel diese kosten würden.
In neun Szenarien untersuchten die Forscher dann, welchen Nutzen die verschiedenen Maßnahmen in den erfassten Gebieten aussehen würde. „Dazu zählen einerseits die sogenannten Bereitstellungsleistungen“, erklärt Mirzabaev. „Das sind die Dinge, die durch das Ökosystem erzeugt werden: Nahrungsmittel und Trinkwasser, Rohstoffe wie Holz oder auch Heilpflanzen.“ Hinzu kommen noch weitere Vorteile wie ein besseres Klima, weniger Winderosion oder die Tatsache, dass sich auf den begrünten Flächen Bestäuber ansiedeln, die wiederum die Anbauerträge der Landwirte steigern. Auch ihnen lässt sich heute ein Preisschild anheften.





