Für viele Menschen in Deutschland ist Grillen ein liebgewonnenes Ritual und fester Bestandteil des Sommers. Kein Wunder also, dass von den rund 250.000 Tonnen Holzkohle, die bei uns jährlich verbraucht werden, ein Großteil im Grill landet. Was aber viele nicht wissen: Um ein Kilogramm Grillkohle zu produzieren, wie die doppelte bis zehnfache Menge Holz benötigt. Die in Deutschland verkaufte Grillkohle wird jedoch nur zum kleinen Teil bei uns hergestellt, der weitaus größere Teil importiert.
36 Grillkohlen im Test
Um herauszufinden, woher das Holz für die Grillkohle kommt und welche Umweltfolgen damit verknüpft sind, haben die Umweltorganisation WWF und der Norddeutsche Rundfunk in einer gemeinsamen Marktanalyse in Deutschland angebotene Grillkohlen auf ihre Holzart und Herkunft analysiert. Insgesamt 36 Grillkohlen aus deutschen Tankstellen, Baumärkten, Supermärkten und Discountern haben sie dafür mit forensischen Methoden testen lassen.
Das erste Ergebnis: Auf kaum einer Grillkohle-Packung ist zu lesen, woher die Kohle kommt und aus welchen Holzarten sie hergestellt wurde. 32 Säcke enthielten entweder gar keine oder fehlerhafte Angaben bezüglich der verwendeten Holzarten. Besonders stach dabei ein Produkt heraus, das damit wirbt, keinerlei Tropenholz zu enthalten. Tatsächlich aber besteht die bei Bauhaus verkaufte “Flash – Grillholzkohle” zu mehr als der Hälfte aus tropischen Holzarten, wie die Analyse ergab. Das ist ein klarer Wettbewerbsverstoß, wie auch das Landgericht Hamburg anschließend feststellte.
Jede Menge Tropenholz
Insgesamt enthüllten die Analysen, dass in 15 von 26 Packungen Tropenholz enthalten war – und damit in fast jedem zweiten Grillkohle-Produkt. Der hohe Anteil an nicht-zertifiziertem Tropenholz sei besonders bedenklich: “Mit der Zerstörung der Tropen verlieren wir die artenreichsten Lebensräume der Erde und zugleich unsere wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen die Klimakatastrophe”, sagt Johannes Zahnen, Holzexperte des WWF Deutschland. “Wir können nicht zulassen, dass der heimische Grill zum Scheiterhaufen des tropischen Regenwaldes wird.”
Aber auch die Grillkohle, die aus nichttropischen Hölzern stammt, war in vielen Fällen alles andere als unproblematisch: Insgesamt 62 Prozent der getesteten Produkte stufen die Umweltschützer als hochrisikobehaftet ein, weil sie zum Beispiel aus Regionen mit umfangreichem illegalen Holzeinschlag stammen oder falsche Angaben machten. “Unsere Analysen belegen, dass die Produktion von Grillkohle zu einem erheblichen Teil auf Raubbau an den Wäldern basiert”, sagt Zahnen. ” Nicht nur in fernen Ländern werden illegal Wälder kahlgeschlagen. Fast direkt vor unserer Haustür, wie zum Beispiel in der Ukraine, werden systematisch die letzten Urwälder ausgebeutet. Auch dieses Holz landet auf deutschen Grills.”





