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Gitchak nakana: Neu entdeckter Minifisch lebt im Grundwasser
Biologie

Gitchak nakana: Neu entdeckter Minifisch lebt im Grundwasser

Fische leben nicht nur in Seen oder Flüssen, einige wenige Arten bewohnen auch unterirdische Wasservorkommen. Eine davon haben Forschende nun in einem Brunnen in Nordindien entdeckt. Die kleine, blinde Schmerle „Gitchak nakana“ ist die erste im Grundwasser lebende Schmerle dieser Region. Ihr Fund deutet darauf hin, dass in den unterirdischen Gewässern noch weitere unbekannte Arten vorkommen könnten.
Autor
Carolin Malmendier
04. März 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Biologie

Unterirdische Gewässer wie die Grundwasserleiter (Aquifere) gehören zu den am wenigsten erforschten Lebensräumen. Doch auch in diesen dunklen, im Untergrund verborgenen Wasservorkommen gibt es Fische. Allerdings haben sich nur etwa ein Prozent der mehr als 37.000 bekannten Fischarten an ein Leben im Untergrund angepasst, und weniger als zehn Prozent dieser Arten leben in Aquiferen, die im Gegensatz zu Höhlen schwer zu erreichen sind. „Diese sogenannten ‚phreatobionten‘ Fische werden extrem selten entdeckt – wenn, geschieht dies meist zufällig“, erklärt Ralf Britz von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden. Fundorte sind meistens Brunnen, die geleert oder gereinigt werden.

Ein einzigartiger Fund

So erging es auch Britz‘ Kollegin Wimarithy Marak im Nordosten Indiens. Die Die Forscherin stieß in einem selbst gegrabenen Brunnen in einem kleinen Ort im Bundesstaat Assam auf einen ihr unbekannten, nur rund 20 Millimeter langen Fisch, offenbar eine Schmerle. „Ich war mir direkt sicher, dass es sich hier um einen ganz besonderen Fund handelt“, sagt Britz. Um das zu überprüfen, untersuchte das Forschungsteam mehrere Exemplare genauer. Sie analysierten Körperbau und Skelettstruktur unter anderem mithilfe hochauflösender CT-Scans und verglichen die Merkmale mit anderen Schmerlenarten. Zusätzlich bestimmten sie genetische Sequenzen, um die evolutionäre Stellung des Fisches im Stammbaum der Schmerlen zu klären.

Die Untersuchungen ergaben: Der kleine Brunnenfisch gehört zu einer bislang unbekannten Art und sogar zu einer neuen Gattung. Der „Gitchak nakana“ getauften Fisch ist vollständig an das Leben im Untergrund angepasst. Dies verraten einige typische Merkmale von unterirdisch lebenden Tieren. Dazu zählen unter anderem stark reduzierte oder vollständig fehlende Augen, eine fehlende Pigmentierung mit einer blassen, transparenten Erscheinung, verstärkte nicht-optische Sinne und verlängerte Körperanhänge.

Ein Fisch ohne Schädeldach

„Besonders spektakulär ist aber ein anatomisches Detail: Die Tiere besitzen kein knöchernes Schädeldach. Das Gehirn wird nach oben lediglich durch Haut geschützt – ein bislang einzigartiges Merkmal unter den bekannten Schmerlen“, so Britz. Auffällig ist auch die geringe Größe dieser Fische. Mit höchstens rund zwei Zentimetern Länge gehört Gitchak nakana zu den kleinsten Schmerlen überhaupt, wie die Biologen berichten. Die Weibchen dieser im Grundwasser lebenden Fischart legen außerdem nur wenige, dafür relativ große Eier. Forschende vermuten, dass dies eine Anpassung an den nährstoffarmen Lebensraum im Untergrund ist.

Gitchak nakana ist die erste phreatobitische Schmerle aus Nordostindien – und gleichzeitig der erste bekannte in Aquiferen lebende Fisch aus dieser Region. Die neue Art wurde nur in einem einzigen Brunnen gefunden, obwohl Forschende auch andere Brunnen in der Umgebung untersucht haben. „Die Entdeckung von Gitchak nakana liefert den Hinweis, dass auch diese Region über eine hoch spezialisierte unterirdische Fauna in Grundwasserleitern verfügt, die es nun zu erforschen gilt“, sagt Britz.

Quelle: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung; Fachartikel: Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-026-40425-6

Schmerle
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