Große Pflanzenfresser wie die Giraffen sind Schlüsselarten für die Ökosysteme der Savannen, gleichzeitig sind sie wegen ihres großen Flächenbedarfs und der zunehmenden Konflikte mit der menschlichen Flächennutzung gefährdet. Inzwischen kommt auch der Klimawandel als zusätzlicher Stressfaktor hinzu. Doch bisher war wenig darüber bekannt, wie sich das Klima auf das Überleben von Giraffen und anderen afrikanischen Pflanzenfressern auswirkt.
Wie beeinflusst der Klimawandel die Giraffen?
Diese Frage hat nun ein Forschungsteam um Monica Bond von der Universität Zürich am Beispiel der Giraffenpopulation in der Region Tarangire in Tansania untersucht. Dafür sammelten die Wissenschaftler Daten aus fast zwei Jahrzehnten zu Niederschlag, Vegetationsgrün und Temperatur während der kleinen und großen Regenzeit in Tansania sowie während der Trockenzeit. Über acht Jahre hinweg verfolgten sie zudem das Schicksal von 2385 Giraffen in dieser Region und untersuchten, wie lokale Anomalien in Temperatur, Niederschlag und Vegetation auf die Überlebenswahrscheinlichkeit der Giraffen beeinflussen.
“Um die Auswirkungen des Klimas und des Menschen auf ein langlebiges und sich langsam fortpflanzendes Tier wie die Giraffe zu untersuchen, müssen wir ihre Populationen über einen langen Zeitraum und über ein großes Gebiet hinweg betrachten”, erklärt Bond. Die Auswertung der Daten ergab Überraschendes: Eigentlich hatten die Biologen erwartet, dass höhere Temperaturen den erwachsenen Giraffen schaden würden, weil sie aufgrund ihrer Körpergröße überhitzen könnten. Doch dies war nicht der Fall. Zar suchten die Tiere in Hitzeperioden vermehrt den Schatten auf und bewegten sich weniger, ihr Überleben war durch gestiegene Temperaturen jedoch nicht beeinträchtigt, wie das Team feststellte.
Kein Problem mit Hitze, wohl aber mit nassem Wetter
Nach Ansicht der Forschenden bestätigt dies, dass Giraffen besonders gut an Hitze angepasst sind: “Die Giraffe hat mehrere körperliche Merkmale, die ihr helfen, sich kühl zu halten, darunter einen langen Hals und lange Beine, über die Wärme abgegeben wird”, erklärt Seniorautor Derek Lee von der Pennsylvania State University. “Sie verfügt aber auch über spezialisierte Nasenhöhlen, ein komplexes Netzwerk von Arterien, die das Gehirn mit Blut versorgen, und ein Fleckenmuster, das Wärme abstrahlt.” Diese evolutionären Anpassungen ermöglichen es den Tieren, ein Überhitzen ihres Körpers zu vermeiden. Allerdings: Ob dies auch noch gilt, wenn bei extremen Hitzewellen der für die Giraffen tolerierbare Temperaturbereich überschritten wird, ist unbekannt.
Die Langzeitbeobachtungen zeigten jedoch noch etwas: Während Wärme ihnen nichts ausmachte, wirkten sich starke Regenfälle deutlich negativ auf das Überleben der Giraffen aus. Fiel während er Regenzeiten mehr Niederschlag als normal, starben mehr Kälber und auch bei den erwachsenen Giraffen überlebten weniger Tiere die Regenzeit. Die Forschenden vermuten, dass dies mit einer Zunahme von Parasiten und Krankheitserregern zurückgeht, da beide von einem feuchteren Klima profitieren. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Giraffen bei nassem Wetter und Überschwemmungen häufiger unter Magen-Darm-Parasiten und Krankheiten wie dem Rift-Valley-Fieber und Milzbrand leiden. Zusätzlich könnte auch der geringere Nährstoffgehalt der nach dem Regen schneller sprießenden Vegetation das Überleben der Giraffen beeinträchtigen.





