Die Umgebung der Nervenzellen beeinflusst die Entwicklung des Muskelleidens ALS (ALS). Die durch Zerstörung von Nervenzellen hervorgerufene Krankheit kann durch die Wechselwirkung mit benachbarten Zellen sowohl beschleunigt als auch verlangsamt werden, berichten amerikanische und kanadische Forscher in der Fachzeitschrift Science (Bd. 302, S. 113).
Das auch unter dem Namen Lou-Gehrigs-Krankheit bekannte unheilbare Leiden äußert sich in der schleichenden Rückbildung motorischer Nervenzellen, die für die Weiterleitung von Impulsen an die Muskeln sorgen. Der Abbau der Neuronen führt zum Verlust der Kontrolle über die Muskeln, zu Lähmung und schließlich zum Tod. Eine häufige erbliche Form der Krankheit wird durch eine Veränderung des Gens SOD 1 verursacht. Bekanntester Betroffener der Krankheit ist vermutlich der berühmte Physiker Stephen Hawking.
Das Team um Albrecht Clement von der Universität Kalifornien in San Diego untersuchte an Mäusen, welche Rolle die Umgebung der motorischen Nervenzellen beim Krankheitsverlauf spielt. Die Zellen der in der Studie eingesetzten Mäuse waren zum Teil gesund, zum Teil trugen sie das mutierte SOD 1. Motorische Nervenzellen mit dem veränderten Gen, die von gesunden Zellen umgeben waren, wurden langsamer zerstört als solche, deren Umgebung ebenfalls von der Mutation betroffen war, beobachteten die Forscher. Umgekehrt erkrankten auch Mäuse, deren Nervenzellen gesund waren, wenn die Nachbarzellen das veränderte Gen enthielten.
Wodurch die Wechselwirkung zwischen den Nervenzellen und ihrer Umgebung zustande kommt, ist bislang unbekannt. Die Forscher vermuten jedoch, dass die Nachbarzellen eine wichtige Rolle bei der Versorgung der motorischen Nervenzellen und der Abwehr giftiger Stoffe spielen. Sind sie von der Genmutation betroffen, können sie diese Aufgabe nicht mehr erfüllen. Langfristig könnten die Ergebnisse der Studie bei der Entwicklung einer Stammzellen-Therapie gegen ALS helfen: Einfacher als die meterlangen motorischen Nervenzellen könnten einige der Nachbarzellen durch gesunde ersetzt werden, so Don Cleveland, Mitautor der Studie.
ddp/bdw ? Katharina Vogelmann





