So wird der Eisbär zum personifizierten Verlierer des Klimawandels. Und wie kaum irgendwo sonst ist er hier sichtbar, spürbar. Vor ein paar Tagen passierten wir den Austfonna-Gletscher, den größten Gletscher der nördlichen Hemisphäre. 190 Kilometer lang ist seine Front. Eine gewaltige Wand aus Eis, die deutlich an Substanz verloren hat. Wir fahren durch große Felder großer, kleiner und kleinster Eisberge. Die elektronische Seekarte zeigt an, dass wir eigentlich mitten in dem Gletscher sein müssten. Doch stattdessen haben wir freie Passage.
Nun könnte man freilich fragen: Was geht mich das an? Und so manches Unternehmen frohlockt sogar; so werden gewaltige Bodenschätze leichter zugänglich. Doch Wissenschaftler haben errechnet, dass das Abtauen sich als wirtschaftlicher Bumerang erweisen könnte. Denn durch das Abtauen des Permafrostbodens und Methanhydratlager werden weitere Klimagase frei. Die daraus folgenden Kosten für die ganze Welt beziffern die Forscher mit 10 bis 220 Billionen Dollar. Dagegen sind die aufgrund der Schmelze zugänglich werdenden Ressourcen eher Häppchen.
Was genau passieren wird, steht in den Sternen. Vielleicht passen sich die Ökosysteme an. Stellen sich neue Gleichgewichte ein. Manche Population nimmt zu, manche ab. So scheinen sich die Seehunde plötzlich wohler auf Spitzbergen zu fühlen. Sie brauchen das Packeis nicht. Vielleicht werden sie dann zur Beute der Bären im Sommer. Vielleicht also zieht die Natur in der Arktis noch ein Ass aus dem Ärmel – aber verlassen sollte man sich darauf nicht.
Bilder: Peter Laufmann





