Spitzenprädatoren wie der Gepard nehmen in ihren Ökosystemen eine wichtige Funktion ein. Denn sie regulieren den Bestand und das Gleichgewicht der unter ihnen stehenden Ebene der Nahrungskette. Werden diese Top-Raubtiere weniger, weil ihr Lebensraum schwindet und sie stark bejagt werden, dann wirkt sich dies auf das gesamte Ökosystem aus.
Verbreitungsgebiet und Bestand stark geschrumpft
Genau das ist bei den Geparden (Acinonyx jubatus) der Fall: Die Populationen dieser Großkatze sind dramatisch geschrumpft. “Noch Ende des 19. Jahrhunderts umfasste das Verbreitungsgebiet der Geparden die meisten nicht von Regenwald bewachsenen Regionen Afrikas und einen Großteil des westlichen und südlichen Asiens – von der Arabischen Halbinsel bis nach Indien und im Norden bis nach Kasachstan”, erklären Stefan Prost von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und seine Kollegen. Heute ist der Gepard nur noch in neun Prozent seines einstigen Lebensraums verbreitet.
Von Lebensraumverlust, Mensch-Wildtier-Konflikten und illegalem Handel bedroht, leben nur noch etwa 7100 Geparden in freier Wildbahn. Der Gepard zählt damit zu den gefährdeten Säugetierarten, einzelne Unterarten sind sogar akut vom Aussterben bedroht. Der größte Teil der wildlebenden Geparden gehört zu einer großen Population im südlichen Afrika, die auch als eigene Unterart – Acinonyx jubatus jubatus – angesehen wird. Deutlich weniger Tiere gehören zu den restlichen vier Unterarten. Als besonders stark bedroht gelten die Populationen von A.j. hecki in Nordwestafrika und von A.j. venaticus im Iran – den letzten Vertretern der asiatischen Geparden.
Fünf Unterarten – zwei davon akut gefährdet
Um mehr über die Folgen des Populationsschwunds und über die Beziehungen der Unterarten zueinander herauszufinden, haben Prost und seine Kollegen DNA-Proben von Geparden aus fast dem gesamten aktuellen und früheren Verbreitungsgebiet analysiert. Dabei zeigte sich zunächst, dass die Genome der Geparden fünf Cluster bilden – entsprechend den vier anerkannten Unterarten und einer fünften, zuvor strittigen. “Wir fanden eine starke genetische Differenzierung zwischen allen klassisch anerkannten Unterarten und widerlegen damit frühere Annahmen, dass Geparden eine nur geringe Differenzierung aufweisen”, berichtet Prosts Kollegin Pamela Burger.
Gleichzeitig bestätigten die Genanalysen, dass sich ostafrikanische Geparden (A. j. raineyi) genetisch von südafrikanischen Individuen (A. j. jubatus) unterscheiden. “Das Wissen um die Unterarten bei den Geparden ist wichtig für ihren Schutz, denn die Aufteilung dient oft als Basis”, erklären die Forscher. Dies ist besonders relevant angesichts laufender und geplanter Umsiedlungen von Geparden über Unterartengrenzen hinweg. So wurden bisher Geparden aus dem südlichen Afrika nach Ostafrika gebracht, um die dortigen Populationen aufzustocken. Doch wenn beide verschiedenen Unterarten angehören, gefährdet dies das Überleben der ohnehin schon stark bedrohten kleineren Unterart in Ostafrika zusätzlich.





