Die Bakterienflora der Vagina soll in Zukunft eine wirkungsvolle Barriere gegen HI-Viren bilden: Amerikanischen Wissenschaftlern gelang es, bestimmte natürlich vorkommende Bakterien genetisch zu verändern und damit das Eindringen der Aids-Viren in die Schleimhaut zu verhindern. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher in der Fachzeitschrift PNAS (Online-Vorabveröffentlichung vom 8. September, doi/10.1073/pnas.1934747100).
Die häufigste Ansteckung mit dem HI-Virus findet bei heterosexuellen Kontakten statt. Dabei sind besonders Frauen gefährdet, da die Viren sehr leicht durch die vaginale Schleimhaut in die Blutbahn gelangen können. Genau an dieser Stelle wollen Theresa Chang von der Firma Osel in Santa Clara und ihre Kollegen von den Universitäten in Stanford, New York, Pittsburgh und Palo Alto die Eindringlinge aufhalten ? mithilfe der natürlichen vaginalen Bakterienflora.
Die Wissenschaftler veränderten einen mikrobiellen Bewohner der Vaginalschleimhaut namens Lactobazillus jensenii genetisch so, dass er zusätzlich bestimmte Eiweißstoffe produzieren kann. Diese Eiweißstoffe binden speziell das HI-Virus und halten es so in der Vagina fest. Natürliche, von Bakterien und Schleimhautzellen gebildete Abwehrstoffe wie Milchsäure und Wasserstoffperoxid können dadurch besser und länger auf die infektiösen Angreifer einwirken und ihre Zahl stärker dezimieren.
Obwohl es bisher keine klinischen Studien gibt, sind die Forscher sehr optimistisch, mit ihrem neuen Ansatz die Verbreitung von Aids effektiv eindämmen zu können. Der größte Vorteil der neuen Methode sei, dass sich die veränderten Bakterien ganz von selbst vermehren und so mit der Zeit die ganze vaginale Bakterienflora bevölkern, schreiben die Mediziner. So entstehe ein sehr wirkungsvoller Schutzwall, ohne dass Nebenwirkungen auftreten könnten. Herkömmliche Verfahren zur Vermeidung einer Ansteckung verwenden häufig Substanzen, die die Schleimhaut reizen und damit paradoxerweise die Gefahr einer Infektion auch erhöhen können.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





