Eigentlich gibt es nur zwei Grundfarben: Die gesamte Palette der Pigmentierung von Haut und Haar beim Menschen geht auf Mischungen von zwei Formen des Melanins zurück. Es ist bekannt, dass das Eumelanin dabei die braunen und schwarzen Haartöne bestimmt, während das Phäomelanin blonde und rote Haarfarben prägt. In der Evolutionsgeschichte waren die entsprechenden Merkmale der Haarfarbe an die geografische Verbreitung der Menschen geknüpft. Im Zuge der Entwicklung zu heller Hautfarbe in Europa entstanden auch die Variationen bei den Haarfarben. Deshalb bilden sie heute ein auffälliges Merkmal von Menschen mit europäischen Wurzeln.
Dass das Erbgut die natürliche Haarfarbe bestimmt, wird bei eineiigen – also genetisch gleichen – Zwillingen deutlich: Sie besitzen stets die gleiche Haarfarbe. Genetische Studien haben auch bereits einige Erbanlagen aufgedeckt, die mit der Haarfarbe in Zusammenhang stehen. Doch sie eigneten sich bisher kaum zur Vorhersage einer Haarfarbe. Somit schien klar, dass es noch viele unentdeckte Haarfarben-Gene gibt.
Eine Assoziationsstudie zeigt Verknüpfungen auf
Um ihnen auf die Spur zu kommen, hat ein internationales Forscherteam eine sogenannte Genomweite Assoziationsstudie durchgeführt. Sie nutzten dazu eine Datenbank mit genetischen Informationen von rund 300.000 Menschen europäischer Abstammung. Diese Personen hatten im Rahmen der Datenerhebungen auch Informationen über ihre natürliche Haarfarbe abgegeben. Die Kategorien waren: Blond, Rot, Hellbraun, Dunkelbraun und Schwarz. So konnten die Forscher durch genetische Vergleiche und statistische Auswertungen Verknüpfungen – Assoziationen – zwischen bestimmten genetischen Faktoren und den Haarfarben aufzeigen.
Auf diese Weise identifizierte das Team 124 Gene, die an der Entwicklung von Haarfarben beteiligt sind. Von mehr als 100 war zuvor keine Verknüpfung mit Pigmentierungen bekannt. Die genaue Funktion dieser Erbnalagen bei der Entstehung der Haarfarben bleibt zwar unklar. Die Fülle an genetischen Einflussfaktoren erklärt aber, warum die bisher bekannten Erbanlagen kaum Voraussagen über die Haarfarbe eines Menschen anhand seines Erbguts ermöglicht haben. Ob dies nun mit den neuen Genen besser funktioniert, haben die Forscher im Rahmen ihrer Studie getestet. Wie sie berichten, können sie anhand der genetischen Merkmale nun sehr genau bestimmen, ob jemand rötliches oder schwarzes Haar hat. Bei Blond- und Brauntönen bleibt die Zuordnung hingegen weiterhin unsicher. Klar scheint: Es gibt noch weitere genetische Grundlagen aufzudecken.
Bedeutung für Forensik und Medizin
Dennoch könnten die Ergebnisse für die Forensik interessant sein, sagen die Forscher: „Neben der grundlegenden Verbesserung unseres Verständnisses der menschlichen Pigmentierungsgenetik können die Informationen hilfreich sein, die Genauigkeit der Haarfarbenvorhersage aus DNA-Spuren zu erhöhen“, sagt Co-Autor Manfred Kayser vom Erasmus MC University Medical Center Rotterdam. Beispielsweise könnte man einen rothaarigen Verdächtigen eventuell entlasten und dafür Hinweise auf einen schwarzhaarigen Täter liefern.





