Sommerzeit ist Stechmückenzeit. Doch seit sich hierzulande zunehmend Arten aus tropischen und asiatischen Regionen wohlfühlen, sind die kleinen Blutsauger nicht mehr nur lästig, sondern auch potenziell gefährlich. Invasive Arten wie die Asiatische Tigermücke oder der Japanische Buschmoskito übertragen unter anderem das Zika- und West-Nil-Virus sowie Dengue- und Gelbfieberinfektionen. Doch was tun gegen die ungebetenen Gäste? Herkömmliche Pestizide gehen mit hohen Kollateralschäden einher und töten auch zahlreiche andere Insekten. Gentechnisch veränderte Stechmücken hingegen werden vom überwiegenden Teil der Bevölkerung abgelehnt. Die Mückenbekämpfung steckt also in einer Zwickmühle.
Eine ultimative Mücken-Waffe?
Forschende um Ruth Müller vom Institut für Tropenmedizin im belgischen Antwerpen haben nun eine dritte, vielversprechende Möglichkeit zur Stechmücken-Bekämpfung evaluiert. Es handelt sich dabei um die Technologie der RNA-Interferenz, kurz RNAi. „Dabei wird den Stechmückenlarven im Verbreitungsgebiet Nahrung zur Verfügung gestellt, die doppelsträngige Ribonukleinsäuren, kurz RNAs, enthält. Diese wichtigen Informations- und Funktionsträger, die in jeder Zelle von Lebewesen vorkommen, entfalten ihre Wirkung dann über den Darm der Larven und schalten einige ihrer zum Überleben wichtigen Gene aus“, erklärt Miklós Bálint von der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Noch steckt die RNAi-Technologie allerdings in den Kinderschuhen und ist weit von der europäischen Marktreife entfernt. Doch das Forschungsteam sieht in ihr großes Potenzial. Ein entscheidender Vorteil der RNA-Interferenz liege darin, dass sie anders als herkömmliche Pestizide keinen tödlichen Rundumschlag im Insektenreich verursacht, sondern stattdessen zielgerichtet arbeitet. „Die RNA-Moleküle können so hergestellt werden, dass sie nur gegen die jeweilige Stechmückenart wirken und weder andere Insektenarten noch den Menschen gefährden“, so Bálint. „Weiterhin entstehen bei ihrem Abbau in der Umwelt keine giftigen Rückstände. Und es werden mit dieser Methode keine gentechnisch veränderten fortpflanzungsfähigen Stechmücken erzeugt.“
Hohe Hürden bei der Entwicklung
Um dieser Idealvorstellung eines Anti-Stechmückenmittels möglichst nahe zu kommen, forscht Müllers Team derzeit an doppelsträngigen RNA-Stücken, die sich besonders gut zur Mückenbekämpfung eignen. Doch bevor diese eines Tages zu funktionsfähigen „Giftködern“ für Stechmücken werden, ist es noch ein langer Weg. So bereitet den Forschenden zum Beispiel noch die „Verpackung“ der RNA-Bällchen Probleme. „Eine passende Formulierung dafür darf in der Umwelt nicht zu rasch zerfallen, soll aber in Form von Partikeln von den im Wasser lebenden Stechmückenlarven aufgenommen werden“, berichtet Andreas Vilcinskas vom Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie in Gießen, wo gerade an einer Lösung gefeilt wird. Als geeignete Beschichtung könnten sich etwa Nanopartikel, Lipidtröpfchen oder Chitin eignen.





