Finnische und amerikanische Forscher haben eine Genvariante entdeckt, die zu der Erwachsenenform von Milchzuckerunverträglichkeit beiträgt. Sie liegt überraschenderweise außerhalb der Region, die der Krankheit bisher zugeordnet wurde. Diese Ergebnisse veröffentlichen die Wissenschaftler in der Februarausgabe des Fachmagazins Nature Genetics.
Die Genetiker um Nabil Sabri Enattah von der Universität in Helsinki und Leena Peltonen von der UCLA Medical School in Los Angeles untersuchten das Erbgut von Menschen mit Laktoseintoleranz verschiedener Nationalitäten. Sie fanden heraus, dass Patienten aus Südkorea, Deutschland und Italien denselben Erbfaktor besitzen. Da zwischen diesen Völkern seit sehr vielen Generationen kein Genaustausch stattgefunden hat, ist der Defekt vermutlich sehr alt, spekulieren die Wissenschaftler.
Menschen mit Laktoseintoleranz leiden nach der Aufnahme von Milchprodukten unter Unverträglichkeiten, da ihr Körper zu wenig Lactase bildet. Dieses Verdauungsenzym des Dünndarms spaltet den Milchzucker in seine Bestandteile. Durch den Lactasemangel gelangen große Mengen der Lactose unverdaut in den Dickdarm und werden von Darmbakterien vergärt. Die Erkrankten klagen über Völlegefühl, Blähungen und krampfartige Bauchschmerzen sowie Übelkeit und Durchfall. Der Erbfaktor, den die Genetiker der Krankheit zuordnen, liegt jedoch außerhalb des Gens für Lactase.
Ursprünglich haben alle Menschen Milchprodukte nicht vertragen. Erst als unsere Vorfahren vor etwa zehn- bis zwölftausend Jahren begannen, Rinder und Ziegen zu melken, konnte sich eine geringfügige Mutation verbreiten. Diese sorgte dafür, dass die Träger des veränderten Gens ohne Schwierigkeiten Milch und Milchprodukte verdauen konnten. Vor allem in winterkalten Gebieten, die während der frostigen Jahreszeit keine ausreichende pflanzliche Ernährung ermöglichten, erwies sich dies als erheblicher Selektionsvorteil.
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Heike Heinrichs/Dr. Sebastian Messerschmid





