Schwere Depressionen gehen offenbar mit bleibenden Veränderungen am Gehirn einher. Das ergaben Studien mit einem bildgebenden Verfahren, bei dem die Hirnaktivität gemessen wurde. Mit einer entsprechenden Untersuchung können vielleicht auch Menschen ausfindig gemacht werden, die zwar noch keine Depression hatten, aber für das Gemütsleiden anfällig sind, berichtet das “American Journal of Psychiatry”.
Die Forscher von der Universität Texas haben die Aktivitäten im Gehirn von Versuchspersonen beobachtet, während sich die Probanden an ein trauriges Erlebnis in ihrem Leben erinnern sollten. Bei gesunden Menschen beobachteten die Forscher, dass dabei im Gehirn zunächst die Areale aktiv wurden, die starke Gefühle hervorrufen. Anschließend ging die Hauptaktivität aber an die Großhirnrinde über, die nach Meinung vieler Forscher weniger gefühlsbetont ist.
Bei Menschen, die gerade schwere Depressionen durchmachten, gelang dieser Übergang jedoch nicht und die gefühlsstarken Hirnteile gaben weiterhin den Ton an. Vor allem die Hirnrinde im Stirnhirn blieb bei den Betroffenen verhältnismäßig stumm. Das Stirnhirn gilt gemeinhin als der Sitz des Gedächtnisses und der Persönlichkeit.
Auch bei Menschen, die in ihrer Vergangenheit schwere Depressionen hatten, konnte die Hirnrinde während der Versuche nicht die normale Aktivität erreichen. Die Betroffenen sind daher trotz einer erfolgreichen Behandlung ihres Leidens auch weiterhin für Depressionen anfällig, vermuten die Forscher.
Die Veränderungen am Gehirn treten nach ihrer Ansicht nicht erst in den depressiven Phasen auf, sondern gehen dem Leiden möglicherweise auch voran. Eine Untersuchung des Gehirns könnte daher in Familien mit einer genetischen Veranlagung zu Depressionen gefährdete Mitglieder ausfindig machen. Dies ermögliche, die Betroffenen bereits zu behandeln, bevor die Krankheit ausbricht.
ddp/bdw – Andreas Wawrzinek





