Von 1971 bis 2020 stand jedes Jahr ein Vogel im Rampenlicht, den Experten des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) und des Landesbunds für Vogelschutz in Bayern (LBV) ausgesucht haben. Zum Jubiläum der Aktion im Jahr 2021 entschieden sich die Veranstalter dann allerdings für eine Volksentscheidung: Jeder konnte auf einer Internetplattform aus 307 in Deutschland lebenden Arten einen Kandidaten nominieren. Die Vögel mit den meisten Stimmen standen dann anschließend in der engeren Wahl. “An der Aktion haben sich über 455.000 Menschen beteiligt und schließlich das Rotkehlchen zum Vogel des Jahres 2021 gekürt. “Wir freuen uns sehr, dass das Interesse an Naturschutz und der heimischen Vogelwelt so groß ist und legen darum die Vogelwahl auch für die kommenden Jahre in die Hände aller”, sagt Leif Miller vom NABU.
Um das Konzept zu vereinfachen, fällt ab jetzt allerdings der Schritt der öffentlichen Nominierung weg: Die Vogelexperten von NABU und LBV werden die Aufstellung der Kandidaten übernehmen. Nun präsentieren die Veranstalter die fünf Arten, die für den Vogel des Jahres 2022 ins Rennen gehen: Bluthänfling, Feldsperling, Mehlschwalbe, Steinschmätzer und Wiedehopf. “Jeder dieser Vögel steht dabei für ein Naturschutzthema, das unsere Aufmerksamkeit braucht”, erklärt Miller.
Fünf Kandidaten mit „Wahlspruch“
Der NABU hat jedem der Kandidaten dabei einen „Wahlkampfslogan“ zugeordnet, der für die Art eine wichtige Rolle spielt. Im Fall der Mehlschwalbe lautet er “Mieterschutz für Vögel!”. Der Hintergrund: Die Nistplätze dieser Vögel werden häufig etwa bei Gebäudesanierungen entfernt. Daneben hat die Mehlschwalbe ein weiteres großes Problem, das ihre Bestände besonders gefährden: Durch das Insektensterben steht ihr deutlich weniger Nahrung zur Verfügung.
Der Steinschmätzer geht mit dem Wahlspruch “Mut zur Brache!” ins Rennen. Wie die Mehlschwalben sind auch diese Vögel Langstreckenzieher und erreichen mit bis zu 30.000 Kilometern Jahreszugstrecke Spitzenleistungen unter den Singvögeln. “Vom Aussterben bedroht ist diese Art bei uns, weil sie immer weniger Lebensraum zur Verfügung hat. Der Steinschmätzer braucht offenes, vegetationsarmes Gelände”, sagt Miller.
Für den Wiedehopf haben die Veranstalter den Wahlkampfspruch “Gift ist keine Lösung!” gewählt. “Die Art wäre deutlich häufiger, wenn es mehr halboffene Landschaften mit vielen Insekten gäbe, wie Weideflächen oder pestizidfreie Weinberge”, erklärt Miller. Mit seinem langen Schnabel und seinen orangefarbenen Scheitelfedern ist der Wiedehopf wohl der optisch auffälligste Kandidat. Er lebt ausschließlich in besonders warmen Gegenden Deutschlands – etwa am Kaiserstuhl in Baden-Württemberg.
Wie Miller betont, verbindet diese drei Arten ein Merkmal, das ebenfalls im Fokus des Vogelschutzes steht: “Mit Mehlschwalbe, Steinschmätzer und Wiedehopf haben wir drei Zugvogelarten auf der Wahlliste. Zugvögel leiden besonders stark unter dem Klimawandel, da sie auf intakte Verhältnisse an mehreren Orten der Welt angewiesen sind”, sagt der Naturschützer.





