Seit einigen Wochen sind sie wieder unterwegs und sorgen bei Allergikern für brennende Augen, heftigen Niesreiz und quälende Asthmaanfälle: Blütenpollen. In Deutschland leiden zwölf Millionen Menschen an einer Allergie gegen diese Bioaerosole. Jede Allergie ist individuell: Die einen reagieren auf Birke und Erle, andere auf Hasel, Weizen oder Gräser. Daher ist es für die Betroffenen wichtig, genau über den Flug und die Konzentration bestimmter Pollen informiert zu sein, um sich schützen zu können. Hilfestellung leistet dabei bisher die Pollenflugvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Doch die Methode des DWD beruht auf der manuellen Auszählung von Pollenproben unter dem Mikroskop – ein aufwendiges Verfahren, das die Tagesmittelwerte der Pollenkonzentrationen in der Luft erst mit einer Verspätung von ein bis zwei Tagen liefern kann.
Das Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM in Freiburg und der DWD haben jetzt in Zusammenarbeit mit Industriepartnern ein Messgerät entwickelt, das die Pollenbelastung selbstständig überwacht und die Bioaerosole schnell bestimmt und quantifiziert. Dieser Pollenmonitor ist eine Art automatisches Mikroskop, das zunächst Pollen aus der Luft ansaugt und auf eine Sammelfläche aufbringt. Da Pollen, die in der Außenluft unterwegs sind, meist ausgetrocknet und deformiert sind, wird ihnen Feuchtigkeit zugeführt, sodass sie wieder ihre ursprüngliche, rundliche Form annehmen. Um die Bioaerosole von Staub zu unterschieden, machten sich die Forscher die Eigenfluoreszenz der Pollen zunutze: Werden sie mit ultraviolettem Licht bestrahlt, leuchten sie grün. Ist die Eigenfluoreszenz der Pollen angeregt, nimmt eine Kamera hochaufgelöste Bilder der Objekte auf. Eine Software wertet die Aufnahmen aus und ordnet die Pollen anhand ihrer Form und Struktur den verschiedenen Arten zu.
Die Messergebnisse sollen der Öffentlichkeit im Stundentakt zur Verfügung gestellt werden. Allergiker können sie über das Internet oder ihr Handy abrufen. Zur Zeit laufen erste Versuche mit dem Pollenmonitor. Sind sie erfolgreich, soll bereits im nächsten Frühjahr ein flächendeckendes System mit mindestens 60 Messstationen in Deutschland zum Einsatz kommen.





