So anders und uns doch so ähnlich: Die Körper der Delfine sind an ein Leben im Wasser angepasst, doch ihre kognitiven Fähigkeiten und Verhaltensweisen zeigen erstaunliche Parallelen zum Menschen. Neben ihrer hohen Intelligenz betrifft dies auch ihr komplexes Sozialverhalten, das von „persönlichen“ Verbindungen zwischen den Tieren geprägt ist: Die Meeressäuger bilden untereinander sehr stabile Allianzen und unterstützen einander. Sie verständigen sich dabei über ein reiches Repertoire an Lauten, die sich weit in der Unterwasserwelt ausbreiten. Untersuchungen legen dabei sogar nahe, dass Delfine bestimmte Lautmuster als „Namen“ benutzen, um sich untereinander identifizieren zu können.
Kooperation für den Gewinn von Weibchen
Viele Einblicke in die Lebenswelt und das Verhalten der Delfine stammen dabei aus der australischen Shark Bay. Dort untersuchen Wissenschaftler bereits seit 30 Jahren eine Population des Indopazifischen Großen Tümmlers (Tursiops aduncus). Im Fokus ihrer aktuellen Studie standen dabei nun die männlichen Tiere. Wie das Team um Livia Gerber von der Universität Zürich berichtet, haben die langjährigen Untersuchungen bereits dokumentiert, dass die Delfinmännchen in komplexen sozialen Gruppen leben, in denen sie mit anderen Männchen kooperative Freundschaften pflegen. Das System ist dabei von größeren Allianzen von bis zu 14 Individuen geprägt, die über lange Zeiträume recht stabil bleiben. Innerhalb dieser „Gangs“ gibt es allerdings auch kleinere, weniger konstante Gruppen aus jeweils zwei oder drei Männchen.
Aus den bisherigen Untersuchungen ging hervor, dass die Gruppen und Untergruppen eine Rolle für den Gewinn von Paarungspartnerinnen spielen: Die „Männerbünde“ arbeiten zusammen, um Weibchen von anderen Allianzen abzuwerben oder entsprechende Versuche anderer Gruppen abzuwehren. „Diese Art von männlicher Kooperation zum Zweck der Fortpflanzung ist im Tierreich äußerst ungewöhnlich. Sie findet sich sonst nur bei Menschenaffen und hier in wesentlich einfacherer Form“, sagt Livia Gerber. Gemeinsam mit ihren internationalen Kollegen ist sie nun der Frage nachgegangen, inwieweit sich das persönliche Beziehungsgeflecht der Delfinmännchen auf ihren Fortpflanzungserfolg auswirkt. Die Biologen werteten dafür von 85 Männchen die Verhaltensdaten der letzten 30 Jahren aus. Diese Ergebnisse verknüpften sie dann mit Resultaten von Vaterschaftstests in der Shark Bay, die auf den genetischen Profilen von mehr als 400 Delfinen basieren.





