Infolge der Dürreperioden der letzten Jahre fand in Deutschland ein ausgeprägtes Baumsterben statt, das in Wäldern und Parks deutlich sichtbare Lücken hinterließ. Alle Klimaprognosen deuten darauf hin, dass solche Ereignisse in Zukunft häufiger auftreten. Als Reaktion auf das Baumsterben plant die Forstwissenschaft, Wirtschaftswälder in robustere Mischwälder umzubauen. Dazu gehört auch die vermehrte Pflanzung hitze- und dürreresistenter Baumarten aus anderen Ländern. Diese Pflanzen, die durch menschliche Aktivitäten an nicht-heimischen Standorten eingeführt wurden, werden auch als Neophyten bezeichnet.
Untersuchung der Käfer-Biodiversität in verschiedenen Eschenarten
Doch diese Strategie birgt Risiken und ist umstritten: Werden Pflanzen oder Tiere in Regionen eingeführt, in denen sie nicht heimisch sind, kann das die Biodiversität und Funktion der dortigen Ökosysteme stören. “Art und Ausmaß solcher Störungen lassen sich mit dem derzeitigen Wissensstand nicht vorhersagen”, erklären Andreas Floren von der Universität Würzburg und seine Kollegen. Die Wissenschaftler haben deshalb untersucht wie Käfer auf die Bepflanzung mit nicht-heimischen Baumarten, die den Dürreperioden trotzen können, reagieren. Dafür nahmen die Wissenschaftler die Biodiversität der Insekten in zwei speziellen Baumarten der Auwälder an der Elbe genauer unter die Lupe. Dort wächst neben der einheimischen Esche Fraxinus excelsior auch die Rot-Esche Fraxinus pennsylvanica, die aus Nordamerika stammt. Die Exoten pflanzte man dort Anfang des 20. Jahrhunderts gezielt wegen ihrer hohen Überflutungstoleranz.
Die Untersuchung der Käfer-Biodiversität erfolgte mittels Insektizid-Vernebelung, auch “Fogging” genannt. Bei dieser Methode werden einzelne Baumkronen mit einem für die Insekten giftigen Mittel eingenebelt. Käfer und andere Insekten fallen dadurch in Fangplanen am Boden und können dann systematisch bestimmt werden. Das Insektizid zersetzt sich innerhalb weniger Stunden ohne Rückstände, so dass die Störung für das Ökosystem gering bleibt und nur auf einzelne Bäume begrenzt ist.
Rot-Esche bietet Chance für Käfer-Flüchtlinge
Die Forschenden stellten fest, dass nicht-heimische Bäume in Zeiten des Klimawandels tatsächlich Chancen bieten – sie können zum Refugium für Insekten werden, wenn deren angestammte Wirtsbäume reihenweise absterben. Dies zeigen Vergleiche der Diversität vor den extremen Dürren 2018/19 mit der Situation danach. “Wir haben 2016 und 2017 in den Kronen der beiden Baumarten die Biodiversität der Käfer analysiert”, erzählt Floren. Dabei zeigte sich: Die größte Käfer-Diversität von allen untersuchten Baumarten war auf den heimischen Eschen zu finden, die zu diesem Zeitpunkt noch in großen Mengen in den Wäldern wuchsen. Die Käferpopulationen unterschieden sich dabei deutlich von den weniger artenreichen Käfergemeinschaften der Rot-Eschen.





