Ob durch Abholzung, Straßenbau oder das Ausweiten von Siedlungen: In vielen Regionen der Erde müssen die Wälder einer vom Menschen gestalteten und genutzten Landschaft weichen. Und selbst dort, wo der Wald erhalten bleibt, wird er zunehmend von Straßen oder Bahnlinien durchschnitten. Für die Fauna dieser Wälder bedeutet dies, dass ihr Lebensraum einerseits schrumpft und andererseits auch immer stärker durch Störungen geprägt wird.
Wie sensibel reagieren Waldtiere weltweit auf Störungen?
Das Problem dabei: Wie gravierend sich diese Fragmentierung des Lebensraums auf eine Tierart auswirkt und wie sensibel sie auf Störungen reagiert, ist extrem unterschiedlich. Einige Spezies tolerieren Störungen durch den Menschen oder Fahrzeuge, während andere sich aus solchen gestörten Waldgebieten zurückziehen und in Ermangelung eines ungestörten Rückzugsgebiets sogar komplett aussterben können. Das Wissen um diese Reaktionen ist jedoch wichtig, um beispielsweise Schutzgebiete zu planen: “Wie designen wir Wildreservate? Machen wir viele kleinere oder wenige große? Oder brauchen wir Korridore?”, fragt Erstautor Matthew Betts von der Oregon State University in Corvallis.
Um diese Fragen zu klären, haben Betts und seine Kollegen jetzt erstmals in globalem Maßstab untersucht, wie Waldbewohner auf die Fragmentierung ihres Lebensraums reagieren. Sie wollten dabei vor allem wissen, ob es übergeordnete, möglicherweise geografisch bedingte Tendenzen gibt. Für ihre Studie werteten sie Datensätze zur Fragmentierung von Waldstücken weltweit und zur Verbreitung von insgesamt 4489 Arten aus vier Großgruppen des Tierreichs aus – Arthropoden, Vögel, Reptilien und Amphibien sowie Säugetiere. Mithilfe eines Modells untersuchten sie, ob die verschiedenen Spezies zu den Vermeidern von gestörten Randbereichen gehörten und wie stark ihr Verbreitungsgebiet durch menschliche Aktivitäten gestört ist.
Mehr “Randvermeider” in ungestörten Tropenwäldern
Die Auswertung ergab: Die meisten Waldgebiete in den mittleren Breiten sind weit stärker durch Störungen geprägt als die ausgedehnten Wälder der Tropen – und dies spiegelt sich auch in der Sensibilität der in diesen Wäldern lebenden Tierarten wider. Denn wie Betts und sein Team feststellten, leben in den Regionen nahe am Äquator sechsmal mehr “Randvermeider” als in den gemäßigten Zonen. “Die Biodiversität nimmt zum Äquator hin stark zu, aber selbst wenn wir das berücksichtigen, sind dort weit mehr Arten sensibel für die Fragmentierung”, erklärt Betts. Sein Co-Autor Robert Ewers vom Imperial College London ergänzt: “Schon etwas so Einfaches wie der Bau einer Straße durch den Wald hat daher in den Tropen weit größere ökologische Auswirkungen als in den gemäßigten Breiten.”





