Schon seit der Zeit des Charles Darwin diskutieren Wissenschaftler darüber, wie sich der aufrechte Gang entwickelt hat: Ging er aus dem Knöchelgang hervor – der Fortbewegungsweise, die noch heute unsere engsten Verwandten, Gorillas und Schimpansen, bevorzugen? Oder bereitete das Leben auf den Bäumen und das Schwingen von Ast zu Ast unsere Vorfahren auf das zweibeinige Laufen vor? Zwar gibt es für beides Argumente und Indizien, eindeutige Belege für die eine oder andere Theorie fehlen jedoch – es gab bisher keine geeigneten Fossilien. “Seit den 1970er Jahren wurden zwar viele fossile Affen aus der Zeit von 13 bis 3,5 Millionen Jahren in Europa entdeckt und beschrieben und einige dieser Entdeckungen umfassen auch Skelettteile. Aber bei keinem dieser Funde sind die Langknochen intakt erhalten”, erklären Madelaine Böhme von der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und ihre Kollegen. Doch gerade diese Knochen der Arme und Beine enthalten wichtige Indizien für die Fortbewegungsweise ihrer Besitzer.
Fossiler Affe mit erhaltenen Gliedmaßen
Doch nun haben Böhme und ihre Kollegen die Fossilien einer urzeitlichen Affenart entdeckt, die erstmals Licht in das Dunkel um die Fortbewegung der ersten Hominiden bringen könnte. Gefunden wurden die Knochen der Danuvius guggenmosi getauften Spezies im Allgäu in einer rund 11,5 Millionen Jahre alten Gesteinsschicht. Dieser fossile Affe stammt damit aus der Zeit vor der Trennung der Stammeslinien von Affen und Menschen. Er war zwischen 17 und 31 Kilogramm schwer und lag in seiner Größe etwa zwischen den Siamangs und Bonobos. Das Wichtige jedoch: “Die Fossilien umfassen die Überreste von mindestens vier Individuen und Skelettteile, die ausreichend vollständig sind, um die Morphologie der Gliedmaßen und die Körperproportionen im Detail beschreiben zu können”, berichten die Forscher. Unter den erhaltenen Knochen sind neben den Armknochen auch ein Schienbein, das Knie mit der Kniescheibe sowie mehrere Knochen aus Füßen und Händen.
Damit bietet dieser fossile Affe den Wissenschaftlern erstmals die Chance, die Fortbewegung eines möglichen Vorfahren von Affen und Menschen zu rekonstruieren. Die nähere Untersuchung der Anatomie von Danuvius guggenmosi ergab, dass dieser Urzeit-Affe zwar im groben Körperbau ein wenig den heutigen Bonobos ähnelt. In den Details seiner Haltung und des Skeletts ist er jedoch einzigartig, wie Böhme und ihr Team berichten. So besaß Danuvius die langen Arme und kräftigen, gekrümmten Greiffinger eines guten Kletterers, der hängend durch die Baumkronen schwang. “Das deutet darauf hin, dass die Suspension eine wichtige – aber nicht dominante – Rolle in seinem lokomotorischen Repertoire spielte”, so die Forscher. Auch der daumenähnlich biegsame große Zeh dieses Urzeit-Affen spricht dafür, dass er sich häufig auf den Bäumen aufhielt.





