Ungeachtet der Entdeckungen gut erhaltenen Fossilien blieb bislang eine wichtige, eng mit dem Erscheinungsbild heutiger Vögel verbundene Phase in der Stammesgeschichte dieser Tiergruppe (Aves) nebulös. Mark A. Norell vom American Museum of Natural History und seine Kollegin Julia A. Clarke von der Yale University stellen in der neusten Ausgabe der Zeitschrift Nature eine bisher unbekannte Vogelart aus der Mongolei vor, die neue Einblicke in gerade diesen, nur durch spärliche Funde belegten, problematischen Zeitabschnitt der Evolution während der oberen Kreidezeit, gestattet.
Von diesem, einen kontinentalen Lebensraum repräsentierenden Fundort sind nur wenige fossile Vögel bekannt, dagegen jedoch Hunderte von Säugetieren, Reptilien und anderen kleinen Dinosauriern. Die von den beiden Wissenschaftlern neu entdeckte Vogelart mit der Bezeichnung Apsaravis ukhaana ist das bislang am besten erhaltene Exemplar eines Vogels aus dem Mesozoikum. Norell und Clarke liefert es wesentliche Daten für die morphologische Entwicklung der Tiergruppe. Dies betrifft insbesondere Thesen über deren stammesgeschichtliche Zusammenhänge, darüber, dass die mesozoischen “Schwester-Gruppen” der heutigen Vögel angeblich nur Strandbereiche und marine Lebensräume besiedelt hätten und zur Entwicklung des Fliegens erst nach der Entstehung der Vögel.
So vertreten die Autoren aufgrund anatomischer Untersuchungen die Meinung, dass bereits vor der Entwicklung der Flugfähigkeit schon wichtige morphologische Voraussetzungen dafür vorhanden waren. Bereits bei den Vogelvorfahren ( theropode Dinosaurier), die deutlich primitiver als der neu entdeckte Vogelart Apsaravis waren, sei dies nachzuweisen. Allerdings sind andere morphologische Merkmale, die für einen aktiven Flügelschlag unabdingbar sind, offensichtlich vor dem Auftreten von Apsaravis noch nicht vorhanden gewesen. Gerade dies war aber eine entscheidende Innovation in der Stammesentwicklung der Vögel. Dieser wichtige evolutive Schritt ist jedoch nach Auffassung von Norell und Clarke nicht so sehr im relativ plötzlichen Auftreten von Federn oder der Flugfähigkeit selber zu sehen, sondern als ein Prozess des allmählichen Ansammelns morphologischer Novitäten, welcher sowohl vor als auch noch nach der “Erfindung” des Fliegens vonstatten ging.
Olaf Elicki





