Fließgewässer sind die Lebensadern unserer Erde, Hotspots der Biodiversität und für den Menschen eine unverzichtbare Lebensgrundlage: Sie stellen Trinkwasser bereit und werden zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen genutzt. Natürliche, unbegradigte Flüsse haben zudem eine wertvolle Stellung im Hochwasserschutz, da sie plötzlich auftretende Regenmassen gut abfangen können. Doch der Mensch nimmt schon seit langer Zeit Einfluss auf die Gewässersysteme: Die Flüsse werden umgeleitet, begradigt, schneller gemacht und somit an menschliche Bedürfnisse angepasst. Außerdem sind die Gewässer oft stark mit Nährstoffen aus überdüngten Äckern oder menschlichen Abwässern belastet.
Wenn sie der Belastung der Flüsse ermitteln, nutzen Wissenschaftler neben chemischen Analysen meist die Präsenz bestimmter Indikator-Arten, um den ökologischen Zustand einzuschätzen. . Doch das bildet nicht alles ab, sagt Mario Brauns vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Magdeburg: „Die allermeisten Studien befassen sich mit den Auswirkungen auf die Biodiversität, was aus unserer Sicht aber nur einen Teil des Problems erfasst. Denn ein Verlust der biologischen Vielfalt kann zwar anzeigen, dass etwas nicht stimmt in einem Gewässer, doch ob und inwieweit seine ökologischen Funktionen in Mitleidenschaft gezogen sind, bleibt unbeantwortet“. Braun und seine Kollegen haben daher 125 Studien aus 30 Ländern, die sich mit dem menschlichen Einfluss auf Fließgewässern beschäftigten, daraufhin untersucht und die Daten nach neuen Kriterien bewertet.
Selbstreinigung beeinträchtigt
Die Auswertung zeigte, dass die Ökosystemleistungen der Flüsse stärker unter menschlichen Stressoren leiden als nach gängiger Einstufung angenommen. Betroffen ist dabei vor allem die Fähigkeit der Flüsse zur Selbstreinigung, also der Abbau von Substanzen durch in Gewässern lebenden Mikroorganismen: Die Effizienz, mit der Fließgewässer zum Beispiel Nitrat zurückhalten können, ist in Bächen, die durch landwirtschaftlich genutzte Flächen fließen, fast fünfmal geringer als in Bächen mit natürlicher Umgebung. „Das ist wirklich enorm“, sagt Brauns und erklärt: „Landwirtschaftlich geprägte Fließgewässer sind durch hohe Nährstoffkonzentrationen und eine geschädigte Gewässerstruktur so stark belastet, dass sie ihre natürliche ökologische Rückhaltefunktion nicht mehr ausreichend erfüllen können und dadurch einen Großteil ihrer Reinigungsleistung einbüßen.“ Ihre Kapazitäten dafür sind erschöpft.






