Anpassung an den Klimawandel: Große Abendsegler – eine der größten einheimischen Fledermausarten – verlagern ihre Überwinterungsgebiete im Lauf aufeinanderfolgender Generationen weiter nach Norden, wie eine Studie zeigt. Diese Anpassung an das wärmere Klima findet demnach generationsübergreifend statt. Dieses Verhalten sichert dem Großen Abendsegler in Zeiten der zunehmenden Erderwärmung das Überleben.
Überall auf der Welt sind Fledermäuse stark gefährdet: Durch die moderne Landwirtschaft und dem intensiven Einsatz von Insektiziden finden die Flugsäugetiere immer weniger Insekten. Hinzu kommt, dass auch geeignete Quartiere wie alte Baumbestände seltener werden. Moderne Gebäude sind für Fledermäuse als Versteck ungeeignet, mitunter werden sie gar zur tödlichen Gefahr. Denn die von den Flugtieren ausgesandte Schallsignale werden an glatten Flächen zunächst von den Tieren wegreflektiert, sodass der Eindruck eines freien Flugwegs entsteht.
Und auch die Klimaentwicklung macht den Tieren zu schaffen: Viele Arten müssen aufgrund der rasant zunehmenden Erderwärmung ihre Verbreitungsgebiete verändern, damit sie trotzdem noch geeignete Lebensräume und Beute finden und so ihr Überleben und ihre Fortpflanzung sichern können. Mobile Arten, wie etwa saisonal ziehende Fledermäuse, verlagern je nach Klimaentwicklung ihre Sommer- und Überwinterungslebensräume in den Norden oder Süden, um konstant gute Bedingungen vorzufinden.
Überwinterungsareale in den Norden verschoben
Gerade bei Säugetieren – wie Fledermäusen – ist meist noch unbekannt, wie die Arten ihre Verbreitungsgebiete aufgrund der Erderwärmung verändern. Ziehen die einzelnen Individuen in neue Gebiete? Oder findet dieser Wandel über mehrere Genrationen hinweg statt, so dass die Nachkommen jeweils ein Stück weiter im Norden oder Süden leben als ihre Eltern? Um den Mechanismen auf den Grund zu gehen, hat Kseniia Kravchenko vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) nun mit einem internationalen Forscherteam untersucht, wie die Fledermausart Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) ihr Verbreitungsgebiet an die Klimaerwärmung anpasst.
In den letzten Jahren beobachteten Forscher bereits, dass sich das Überwinterungsareal des Großen Abendseglers immer weiter in den Norden verschoben hat. Um das genauer zu prüfen, untersuchten Kravchenko und ihr Team eine Fledermauspopulation in der nordukrainischen Stadt Charkiw. Überwinternde Fledermäuse dieser Art gibt es in Charkiw erst seit ungefähr 30 Jahren, weil sie früher zum Überwintern weiter in den Süden zogen. Über einen zehnjährigen Zeitraum von 2007 bis 2016 sammelte das Wissenschaftlerteam nun Daten zum Alter und Geschlecht von fast 3.400 dort überwinternden Individuen.





