Für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist Reis das zentrale Grundnahrungsmittel. Angebaut wird das Getreide unter anderem in Süd- und Ostasien. Doch in den dortigen Reisfeldern kommt es immer wieder zu massiven Schäden und hohen Ernteverlusten durch Pflanzenschädlinge: die Reiszikaden. Diese Insekten nutzen den Wind in Höhen zwischen 300 und 1000 Metern als Verbreitungshilfe und legen so weite Strecken zurück, um neue Felder zu erobern. In dieser Höhe sind herkömmliche Insektizide jedoch unwirksam.
Jagdverhalten der Bulldoggfledermaus untersucht
Ein Forschungsteam um Supawan Srilopan von der Prince of Songkla-Universität in Thailand hat daher nun untersucht, ob in diesem Fall Fledermäuse als natürliche Schädlingsbekämpfer betrachtet werden können. Konkret untersuchten die Biologen das Jagdverhalten der in Südostasien verbreiteten Faltlippen-Bulldoggfledermaus (Mops plicatus), von der bekannt ist, dass sie bevorzugt Zikaden frisst. „Diese Fledermausart ist ein geschickter Jäger, der sich auf den Fang von Insekten im offenen Luftraum, also oberhalb der Vegetation, spezialisiert hat“, erklärt Seniorautor Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin.
Das Team prüfte nun, wie hoch diese Jäger während der Ausbreitungszeit der Reiszikaden fliegen. Dafür fingen Srilopan und ihre Kollegen elf erwachsene Bulldoggfledermäuse in einer Höhle in Zentralthailand und klebten ihnen jeweils einen 0,95 Gramm leichten Mini-GPS-Logger auf den Rücken. Dieser sendete nachts alle zehn Minuten die exakte Position des Tieres. Nach wenigen Tagen fielen die Tracker von selbst wieder ab. Voigt und seine Kollegen sammelten die Geräte dann vom Höhlenboden auf und werteten die Geodaten aus.

Elf Stunden in der Luft
„Wir konnten so nachweisen, dass Mops plicatus pro Nacht große Nahrungssuchgebiete von bis zu 1743 Quadratkilometer haben kann; das entspricht ungefähr der doppelten Fläche Berlins“, berichtet Voigt. Das ist ein erstaunlich großes Streifgebiet für ein nur 18 Gramm schweres Wirbeltier. Um diese Fläche abzudecken, verbrachten die Fledermäuse bei ihrer nächtlichen Nahrungssuche bis zu 11,5 Stunden im Dauerflug. Das Entscheidende: „Mehr als 50 Prozent der Zeit verbrachten sie in Höhen über 150 Meter über dem Boden, erreichten dabei auch regelmäßig mehr als 1600 Meter über dem Boden“, so Voigt. Demnach kann diese Fledermausart tatsächlich die von den Reiszikaden verwendeten Höhen als Jagdgebiet nutzen.





