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Fischbestand an der Elbmündung stark dezimiert
Biologie

Fischbestand an der Elbmündung stark dezimiert

Wo Flüsse in das Meer münden, leben viele verschiedene Tierarten – sowohl an Land als auch zu Wasser. An der Mündung der Elbe in die Nordsee hat sich die Fischfauna in den letzten 40 Jahren stark verändert, wie nun eine Studie belegt. Die Anzahl der Fische in der Elbmündung liegt demnach auf einem historischen…
Autor
Sirona Schönfeldt
01. Oktober 2025
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Biologie

Ästuare – breite Wasserkörper, die sich dort bilden, wo ein Fluss ins Meer fließt – machen nur etwa 0,35 Prozent aller Lebensräume auf der Welt aus. Doch sie sind von großer ökologischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Schiffe finden hier einen natürlichen Hafen und insbesondere Vögel und Fische einen einzigartigen Lebensraum. Denn mit Ebbe und Flut fließt in Ästuaren salzhaltiges Meerwasser in Richtung Fluss und sorgt so dafür, dass in der Mündung Brackwasser entsteht und der Wasserstand schwankt. Diese besonderen Bedingungen führen dazu, dass sich dort viele verschiedene Tierarten an Land und im Wasser wohlfühlen.

91 Prozent weniger Fische

Die Elbmündung nordwestlich von Hamburg ist eines der größten Ästuare Europas und das größte Deutschlands. Wie es um die dort lebenden Tiere steht, hat jetzt ein Forschungsteam um Jesse Theilen vom Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels untersucht. Die Forschenden wollten wissen, wie sich der Eingriff des Menschen und der Klimawandel auf die Fischbestände auswirken. Dazu analysierten sie Daten aus den Jahren 1984 bis 2022 von fünf Messstationen entlang der Elbe. Die Stationen messen unter anderem die Wassertemperatur, Schwebstoffe, Sauerstoffgehalt und den Gehalt des für Fische giftigen Stoffs Nitrit. Zusätzlich werteten sie Daten zur Anzahl und Artzusammensetzung der Fische aus, die in den letzten 40 Jahren in diesem Ästuar gefangen wurden.

Foto eines Stints
Die Population des Stints ist besonders stark zurückgegangen. © Jesse Theilen

Die Ergebnisse sind zunächst erfreulich: Bis zum Jahr 2010 verbesserte sich die Wasserqualität in der Elbmündung und die Anzahl an Fischen nahm zu. Beispielsweise lebten in den 1980er Jahren nur etwa 12.000 Stinte in dem Ästuar, bis 2010 wuchs ihr Bestand jedoch auf bis zu 168.000 Exemplare an. Nach 2010 änderte sich die Lage allerdings drastisch: Der gesamte Fischbestand in der Elbmündung ging bis 2022 um 91 Prozent zurück. Allein die Stintpopulation schrumpfte bis zu diesem Zeitpunkt auf etwa 13.000 Exemplare. Auch die Bestände von Finte, Flunder, Kaulbarsch und Brachse gingen zurück, wie die Analysen ergaben. Bei vielen Fischarten war vor allem die Anzahl an Larven und Jungfischen rückläufig. Im Gegensatz dazu nahm die Dichte der Meeresfischarten Hering und Wittling jedoch zu.

Elbvertiefung als treibende Kraft

„Die langfristigen Veränderungen in den Fischbeständen der Elbmündung lassen sich eng mit verschiedenen Umweltfaktoren verknüpfen. Während in den 1990er-Jahren eine deutliche Verbesserung der Wasserqualität die Erholung vieler Arten begünstigte, haben sich die Bedingungen in den letzten Jahren klar verschlechtert“, erklärt Theilen. Die Forschenden führen die zuletzt stark verringerte Fischdichte vor allem auf Schlick zurück, der sich in wichtigen Aufwuchsgebieten der Fische ablagerte.

Dieser Schlick sammelte sich im Zuge der sogenannten „Elbvertiefung“ an. Durch das wiederholte Ausbaggern der Elbe änderte sich ihr Fließverhalten: Je tiefer ihr Flussbett ist, desto mehr und schneller fließt das Wasser. Bei Flut strömt das Wasser kräftig stromaufwärts und bringt Sediment aus der Nordsee in die Elbe. Bei Ebbe dagegen fließt das Wasser langsamer und sinkt stärker – das eingetragene Material, also der Schlick – bleibt zurück.

Mit dem stärkeren Vordringen von Meerwasser stieg auch der Salzgehalt in vormals weniger salzhaltigen Bereichen und störte das ökologische Gleichgewicht. Zugleich floss aufgrund geringerer Niederschläge in Folge des Klimawandels weniger Wasser aus dem Inland in die Elbe. Dadurch wurden weniger Sedimente herausgespült. Zusätzlich sorgten die bei den Baggerungen freigesetzten Schwebstoffe für schlechtere Sicht im Fluss, wodurch die Fische schlechter nach Nahrung suchen können. „Unsere Daten belegen, dass Fischbestände langfristig stark unter Druck geraten, wenn ihr Lebensraum durch Umweltveränderungen belastet wird“, sagt Theilen.

Quelle: Jesse Theilen (Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels) et al.; Estuarine, Coastal and Shelf Science, doi: 10.1016/j.ecss.2025.109208

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