Der Krötenfisch “Opsanus tau” hat im Laufe der Evolution hoch spezialisierte Muskeln entwickelt, die durch Vibration der Schwimmblase den charakteristischen Paarungsruf erzeugen. Da sie jedoch nur fünf bis fünfzehn Prozent der Kraft anderer Muskeln aufbauen, sind sie für die Fortbewegung nicht mehr geeignet. Der Evolutionsprozess kann demnach durch Anpassung an besondere Fähigkeiten ursprüngliche Eigenschaften ändern oder sogar vollkommen auslöschen, wie Forscher in der Zeitschrift “Proceedings of the Royal Society” berichteten.
Wissenschaftler von der Universität in Pennsylvania untersuchten die Skelettmuskeln des Krötenfisches und entdeckten unterschiedliche Ausprägungen. Durch “natürliche Auslese” sind im Bereich der Schwimmblase sehr
schnelle Muskeln entstanden. Sie kontrahieren und erschlaffen 200 Mal in der Sekunde und gehören damit zu den schnellsten Muskeln der Wirbeltiere. Dies ist das Fünffache der Flügelschläge eines Kolibris. Durch die dicht aufeinanderfolgenden Bewegungen vibriert die gasgefüllte Schwimmblase und produziert ein lautes Hupen mit einer Frequenz von bis zu 200 Hertz, dem Paarungsruf der Männchen.
Die Muskeln, mit denen der Fisch schwimmt, bauen durch langsamere Kontraktion eine größere Kraft auf. Beide Muskeltypen haben verschiedene Eigenschaften. Diese Studie zeigte erstmals, dass der schnelle Muskel die Aufgaben des langsamen Muskels nicht übernehmen könnte. “Kein biologisches System ist für alle Funktionen ausgestattet”, betonte Lawrence Rome, Biologe von der Universität Pennsylvania.
Der träge Krötenfisch “Opsanus tau” lebt in den seichten und trüben Wasserwegen zwischen Massachusetts und Florida. Da die Sicht in diesen Gewässern schlecht ist, haben Lautsignale eine große Bedeutung. Das Fischmännchen lockt seine weiblichen Artgenossen durch Paarungsrufe an, die ähnlich wie eine Schiffssirene klingen. Paare bilden sich zwischen April und Juli.
Heike Heinrichs





