Text: Elena Bernard
Der Tisch ist festlich gedeckt, im Hintergrund erklingt leise Weihnachtsmusik und der Geruch nach Tannenzweigen und Kerzen mischt sich mit verlockenden Düften aus der Küche. Das Weihnachtsessen ist für viele Menschen weit mehr als nur eine Mahlzeit: Es steht für Genuss und vertraute Traditionen, für Kindheitserinnerungen, Vorfreude und ein gemeinsames Erlebnis mit den Liebsten. Wohl kaum ein anderes Essen ist mit so hohen Erwartungen und so vielen Ritualen verknüpft.
Bei vielen Familien kommt Jahr für Jahr das Gleiche auf den Tisch. Das typische Gericht für Heiligabend besteht in vielen deutschen Haushalten aus Würstchen mit Kartoffelsalat. An den Feiertagen steht oft ein Geflügelbraten auf dem Speiseplan. Vegetarische und vegane Speisen sind an Weihnachten dagegen eher die Ausnahme: Bei einer Umfrage des Lebensmittelverbandes von 2022 gaben nur 3,8 Prozent der Befragten an, an Heiligabend ein fleischfreies Hauptgericht zu essen – und das, obwohl sich – anderen Studien zufolge – rund zehn Prozent der Bevölkerung als Vegetarier einordnen. Ein veganes Hauptgericht gab es nur bei 1,4 Prozent der Befragten. Zudem zeigt eine YouGov-Umfrage von 2023, dass sogar vegan geführte Haushalte zu Weihnachten eher Fleisch kaufen.
Für viele Menschen gehört Fleisch zu einem Festessen dazu. Diese Haltung ist traditionell tief verwurzelt. Obwohl tierische Produkte längst zur einfach und billig verfügbaren Massenware geworden sind, erinnert sich die ältere Generation noch an Zeiten, in denen nur zu besonderen Anlässen ein Braten auf den Tisch kam. Durch diese Wertschätzung als Luxusgut bildet das Fleisch bis heute typischerweise den Mittelpunkt eines Festmahls. Pflanzliche Komponenten hingegen dienen meist lediglich als Beilage.
Hinzu kommt das Erlebnis des gemeinsamen Essens, das in vielen Familien eng mit dem Fleischgericht verknüpft ist, das sorgfältig geteilt wird. „Wer sich vegetarisch ernährt, verpasst oft den gemeinschaftlichen Aspekt des Weihnachtsessens und bekommt entweder ein alternatives Gericht oder kann gar nicht am Hauptgang teilnehmen“, erklärt der niederländische Ernährungssoziologe Nemo Koning, der derzeit an der University of Groningen tätig ist. Mit seinem Team hat er erforscht, wie sich der Fleischanteil in Festessen möglicherweise zugunsten nachhaltigerer Alternativen verringern lässt.
Wandelbare Traditionen
Für ihre Studie baten Koning und seine Kollegen 15 Studierende, den gesamten Prozess rund um ihr Weihnachtsessen in einem Logbuch zu dokumentieren – von der Planung übers Einkaufen und Zubereiten bis hin zum Verzehr. Zusätzlich sollten die Teilnehmenden jeweils eine selbst gewählte Intervention durchführen mit dem Ziel, zumindest einige Fleischkomponenten des gemeinsamen Festmahls durch pflanzliche Gerichte zu ersetzen.





