Pflanzen benötigen zum Wachsen nicht nur Wasser und Nährstoffe aus dem Boden, sondern auch Kohlendioxid (CO2). Aus Gewächshausversuchen ist bekannt, dass leicht erhöhte CO2-Werte das Pflanzenwachstum fördern können. Ähnliches findet durch die gestiegenen Treibhausgaswerte in der Atmosphäre inzwischen auch in globalem Maßstab statt: Blattfläche und Biomasse der weltweiten Vegetation haben bereits messbar zugenommen, wie Satellitenmessungen belegen.
“Hotspots” des Ergrünens
Doch welchen Anteil an diesem Ergrünen das CO2 hat und wie viel durch andere Faktoren, darunter auch die menschliche Landnutzung, zustande kommt, war bisher unklar. Chi Chen von der Boston University und seine Kollegen haben deshalb genauer untersucht, wie sich das Pflanzenwachstum und das Grünen der Vegetation in verschiedenen Regionen der Erde entwickelt hat. Dafür verglichen sie Vegetationsdaten von zwei Satelliten aus der Zeit von 2001 bis 2017.
Es zeigte sich: Statt überall relativ gleichmäßig zuzunehmen, hat sich die Blattfläche und Biomasse der Vegetation vor allem in drei Regionen auffallend stark erhöht: China, Indien und Europa stechen im Ergrünungsmuster der Erde hervor. “China und Indien sind zusammen für fast ein Drittel des globalen Netto-Zuwachses in der grünen Blattfläche verantwortlich”, berichten die Forscher. China allein hat einen Anteil von 25 Prozent an diesem Anstieg, obwohl es nur 6,6 Prozent der weltweiten von Pflanzen bewachsenen Landfläche ausmacht. Indien hat mit 6,8 Prozent einen ähnlich großen Anteil wie die USA oder Kanada, obwohl diese dreimal mehr mit Vegetation bedeckte Fläche besitzen.
Intensivere Landwirtschaft als Grünungshelfer
Was aber ist der Grund für dieses überproportional starke Ergrünen? “Bislang ging man davon aus, dass der erhöhte Gehalt des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre das Pflanzenwachstum anregt, allerdings wäre dann zu erwarten gewesen, dass dies rund um den Globus gleichmäßiger geschieht”, sagt Co-Autor Richard Fuchs vom Karlsruher Institut für Technologie. In China und Indien müssen daher andere Faktoren zum Tragen kommen.
Nähere Untersuchungen ergaben, dass sich in diesen beiden Ländern zwar die Fläche der Anbaugebiete seit dem Jahr 2000 kaum verändert hat. “Dafür aber ist die Nahrungsmittelproduktion, beispielsweise Getreide, Gemüse und Früchte, um 35 bis 40 Prozent angestiegen”, berichten die Wissenschaftler. Allerdings hat diese für die Ernährungssicherung positive Entwicklung einen großen Haken: Erreicht wurde diese Ertragssteigerung vor allem durch den verstärkten Einsatz von Dünger und vermehrte Bewässerung – beides wegen ihrer ökologischen Folgen umstrittene Praktiken.





