Bisher gibt es in Europa kaum Tropenkrankheiten, viele dieser meist von Mücken übertragenen Virusinfektionen kommen bei uns nicht vor – noch nicht. Das liegt vor allem daran, dass die häufigsten Überträger von Dengue, Gelbfieber, Chikungunya oder dem Zika-Virus bisher bei uns nicht heimisch waren – die Stechmücken der Gattung Aedes. “Die Übertragung dieser Viren hängt mit wenigen Ausnahmen von der Präsenz der Gelbfiebermücke Aedes aegypti und der Asiatischen Tigermücke Aedes albopictus ab”, erklären Moritz Kraemer von der University of Oxford und seine Kollegen. Weil diese Spezies ursprünglich aus wärmeren, tropischen Gefilden stammen, konnten sie sich bisher im kühleren Europa nicht halten. Doch mit dem Klimawandel werden auch bei uns die Winter milder und die Sommer heißer. Schon länger prognostizieren Epidemiologen deshalb, dass sich diese krankheitsübertragenden Mückenarten künftig weiter nach Norden ausbreiten werden.
Gelbfiebermücken kommen bis nach Chicago
Wie weit Aedes aegypti und Aedes albopictus nach Europa und Nordamerika vordringen werden und wie schnell diese Ausbreitung passieren könnte, haben nun Kraemer und sein Team näher untersucht. Dafür werteten sie zunächst Daten zu Funden der beiden Mückenarten in Europa und den USA der letzten 32 bis 39 Jahre aus. Dann nutzen sie Klimaprognosen sowie Daten zur menschlichen Bevölkerungsentwicklung und Mobilität, um die künftige Ausbreitung dieser Spezies bis zum Jahr 2020, 2050 und 2080 zu ermitteln. “Frühere Prognosen zur Ausbreitung dieser beide Arten haben sich allein auf das Klima konzentriert – trotz der bekannten Bedeutung der Urbanisierung und andere sozioökonomischer Faktoren für ein geeignetes Habitat dieser Mücken”, sagen die Forscher. Doch heute wisse man, dass die Expansion dieser Spezies komplexer sei, deshalb habe man nun diese Faktoren mit berücksichtigt.
Mithilfe ihrer Daten konnten die Wissenschaftler ermitteln, wie schnell sich die beiden Mückenarten nordwärts ausbreiten. “Dabei haben wir überraschende Unterschiede zwischen beiden Spezies festgestellt”, sagt Kraemer. So wird Aedes aegypti offenbar häufiger über große Distanzen hinweg eingeschleppt und bildet dann lokale Vorkommen. In den USA hat sich Aedes aegypti dadurch bisher um 250 Kilometer pro Jahr weiter nach Norden ausgebreitet. “Für die Zukunft sagt unser Modell eine weitere Expansion vor allem durch Einschleppung in urbane Zentren voraus”, berichten die Forscher. Bis 2050 könnte diese Mückenart dadurch bis auf die Höhe von Chicago vordringen. In Europa dagegen wird diese Spezies trotz des Klimawandels kaum Fuß fassen können: “Selbst unter den extremsten Klimaszenarien wird Aedes aegypti bis 2080 nur in einigen isolierten Regionen Süditaliens und der Türkei vorkommen”, prognostizieren Kraemer und sein Team.





