Saurer Regen war in den 1980-er Jahren eines der wichtigsten Umweltthemen in Europa. Viele Menschen waren über die Schäden an Wäldern, Flüssen und Seen sehr beunruhigt. Internationale Abkommen und strengere Vorschriften zur Luftreinhaltung bewirkten dann, dass die Emissionen von Schwefel und Stickstoff zurückgingen – den beiden Luftschadstoffen, die den sauren Regen verursachten. Doch wie hat sich die Abnahme der Luftschadstoffe auf die Waldböden ausgewirkt? Haben sich Böden und Bodenwasser inzwischen von der Belastung erholt?
Schwefelbelastung ist gesunken
Um das zu klären, hat ein Team von Wissenschaftlern aus zehn Ländern untersucht, wie sich die Wasserchemie im Boden von 171 Wäldern in ganz Europa im Zeitraum von 1996 bis 2012 verändert hat. Die Bodenwasserchemie gibt unter anderem Hinweise darauf, ob die im Boden enthaltenen Nährstoffe für die Bäume verfügbar sind und wie viel von ihnen aus dem Boden ausgewaschen wird. Die Forschenden verwendeten für ihre Studie Daten aus dem europäischen Waldbeobachtungs-Netzwerk ICP Forests. In diesem Programm wendet jedes Land in ganz Europa bei der Probenahme und -analyse die gleichen Methoden an.
Das Ergebnis: Der Gehalt an Sulfat, Nährstoffen und Aluminium im Sickerwasser europäischer Waldböden ist zurückgegangen. Konkret nahmen die Werte für Sulfat in 10 bis 20 Zentimeter Tiefe um 52 Prozent, in 40 bis 80 Zentimeter Tiefe um 40 Prozent ab, wie die Forscher ermittelten. Ihren Angaben nach zeigt sich darin ein positiver Effekt der gesunkenen Schwefelemissionen. “Außerdem befindet sich heute weniger Aluminium im Bodenwasser als früher”, berichtet Erstautor James Johnson vom University College Dublin. “Das ist wichtig für die Baumwurzeln, denn eine hohe Aluminiumkonzentration kann diese schädigen.”
Verzögerte Reaktion
Allerdings: Beim Nitrat zeigt sich deutlich weniger Veränderung, hier sind die Werte in der oberen Bodenschicht gleich geblieben. Nur ab 40 Zentimetern Tiefe konnten die Wissenschaftler eine Abnahme der Werte feststellen. “Die Stickstoffbelastung durch Emissionen aus Verkehr und Landwirtschaft ist nach wie vor ein wichtiges Thema für Wälder und Böden in vielen Teilen Europas”, sagt Elisabeth Graf Pannatier von der Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Denn ein Stickstoffüberschuss führt dazu, dass die Böden an Nährstoffen verarmen. Dies ist vor allem in natürlich nährstoffarmen Böden problematisch.
Insgesamt zeigt die Studie damit eine deutliche Verbesserung der europäischen Waldböden seit der Ära des Sauren Regens – normalisiert hat sich ihr Zustand aber noch nicht, wie die Forscher betonen. “Die Studie zeigt, dass sich der Säuregehalt des Bodenwassers noch nicht von der in der Vergangenheit schnell vorangeschrittenen Versauerung des Bodens durch sauren Regen erholt hat”, sagt Mathieu Jonard vom University College. “Dieser Versauerungsprozess, der in den Böden natürlich stattfindet, hält weiter an, wenn auch langsamer als früher. Aufgrund der großen Mengen an Schwefel und Stickstoff, die Waldböden gespeichert haben, kann es noch einige Jahrzehnte dauern, bis sich die Bodenwasserchemie an die heutige Niederschlagschemie anpasst. Darum ist es wichtig, die weitere Entwicklung zu überwachen.”





