Eigentlich ist es ökologisch durchaus erstrebenswert: Statt Erdöl und andere fossile Ressourcen als Rohstoffe für Materialien, die Energieproduktion, Alltagsprodukte und Chemikalien zu nutzen, steigt man auf nachwachsende pflanzliche Rohstoffe um. Das verringert den Treibhausgas-Ausstoß und tut damit der Umwelt gut – so könnte man meinen.
Biobasierte Produkte mit Schattenseiten
Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn Soja, Palmöl, Mais und andere Pflanzenrohstoffe benötigen Anbauflächen, Wasser und Düngung – und stehen in Konkurrenz zu natürlichen Lebensräumen. So werden für Palmölplantagen vor allem in Asien große Regenwaldflächen abgeholzt, anderswo breiten sich Monokulturen von Mais oder Soja aus. “Es wachsen die Belege dafür, dass eine Ausweitung der industriellen Bioökonomie unter anderem direkte und indirekte Landnutzungs-Veränderungen bewirkt und so die Treibhausgas-Emissionen erhöht und die Wasserqualität und -quantität beeinträchtigt”, erklären Martin Bruckner von der Wirtschaftsuniversität Wien und seine Kollegen.
Was aber heißt dies für den Verbrauch pflanzlicher Rohstoffe in Europa? Wie groß ist der ökologische Fußabdruck unseres Konsums von pflanzenbasierten Non-Food-Produkten? Und wo kommen die dafür nötigen Rohstoffe her? Das haben Bruckner und sein Team nun mithilfe mehrerer Modelle untersucht. Sie nutzten ein globales Handelsmodell, um landwirtschaftliche Produkte entlang internationaler Handelsrouten zu verfolgen. In dieses integrierten sie ein globales ökonomisches Modell, um industrielle Wertschöpfungsketten abzubilden.
65 Prozent der Pflanzenrohstoffe kommen von woanders
Die Auswertungen ergaben: Im Schnitt verbraucht jeder Europäer 103 Kilogramm pflanzliche Rohstoffe pro Jahr allein für Nicht-Ernährungsprodukte. Denn schon jetzt stecken in vielen Kosmetika, in Treibstoffen oder Chemikalien Rohstoffe wie Palmöl, Soja oder Mais. Doch ein Großteil dieser Pflanzenmaterialien kommt nicht aus heimischem Anbau, sondern wird importiert, wie die Forscher ermittelten. Rund 65 Prozent der benötigten pflanzlichen Rohstoffe stammen von anderen Kontinenten – vielfach aus tropischen Regionen.
Das bedeutet: Unser Konsum biobasierter Materialien und Objekte sorgt für erhöhten Landverbrauch anderswo. Den größten Flächenbedarf erzeugen wir dabei in Asien: Allein die von Europa benötigte Baumwolle nimmt 1,7 Millionen Hektar Anbaufläche vor allem in Indien, China und Pakistan ein. An Palmöl importiert die EU pro Jahr rund 6,4 Milliarden Liter – geerntet auf einer Fläche von rund 1,6 Millionen Hektar, wie die Forscher berichten. Für diese Palmölplantagen, die größtenteils in Indonesien und Malaysia liegen, wird meist ökologisch wertvoller Regenwald abgeholzt.





