Der Klimawandel ist auch in Europa längst zu spüren: Klimamodelle sagen vorher, dass es durch die Erderwärmung auf unserem Kontinent insgesamt zu mehr Wetterextremen kommt – und tatsächlich wurde Europa in den letzten Jahren immer wieder von ungewöhnlichen Hitzewellen und Dürreperioden heimgesucht. Diese Ereignisse könnten bereits eine Folge der globalen Klimaveränderungen sein. Doch die Erderwärmung macht sich nicht nur durch mehr Hitze und Trockenheit bemerkbar. Im Gegenteil: Wie Studien zeigen, sind manche Regionen Europas auch deutlich häufiger von Starkregen betroffen als früher. Auch im Zusammenhang mit Hochwassern beobachten Forscher bereits Veränderungen. Demnach haben sich die typischen Hochwasser-Zeiten in den vergangenen 50 Jahren merklich verschoben. Während Überschwemmungen zum Beispiel in der Nordsee-Region heute später auftreten, kommen sie in anderen Regionen wie dem Baltikum früher vor.
Doch beeinflusst die Erderwärmung neben dem zeitlichen Muster auch das Ausmaß der Überschwemmungen? “Es wird seit langem vermutet, dass der Klimawandel Auswirkungen auf das Ausmaß von Hochwasser hat, da eine wärmere Atmosphäre mehr Wasser speichern kann”, erklärt Günter Blöschl von der Technischen Universität Wien. “Aber das ist nicht der einzige Effekt, Hochwasseränderungen sind komplizierter.” Um mehr über mögliche Veränderungen in diesem Zusammenhang herauszufinden, haben der Wissenschaftler und seine Kollegen nun Daten von 3.738 Hochwassermessstellen aus dem Zeitraum zwischen 1960 und 2010 ausgewertet. Zusätzlich sammelten sie Informationen darüber, wie sich in der gleichen Zeit wichtige Einflussfaktoren wie Niederschlagsmengen, Bodenfeuchtigkeit und Lufttemperatur in den unterschiedlichen Regionen Europas verändert hatten.
Unterschied zwischen Nord und Süd
Die Ergebnisse offenbarten: Tatsächlich scheint der Klimawandel auch das Ausmaß der Hochwasserereignisse auf unserem Kontinent erheblich beeinflusst zu haben – allerdings nicht überall auf dieselbe Weise. Während die Hochwasserniveaus in manchen Regionen im Vergleich zu den langfristigen Durchschnittswerten um elf Prozent pro Jahrzehnt gestiegen sind, beobachteten die Forscher anderswo sogar einen Rückgang um 23 Prozent. Konkret zeichneten sich dabei deutliche Trendunterschiede zwischen Mittel- und Nordwesteuropa auf der einen sowie Südosteuropa auf der anderen Seite ab. So ergaben die Analysen, dass die Überschwemmungen im Gebiet zwischen Island und den Alpen – also auch in Deutschland – zunehmen. Dies liegt dem Team zufolge an intensiveren Niederschlägen und Starkregen-Ereignissen sowie feuchteren Böden.
In Südeuropa sinken die Hochwasserstände dagegen tendenziell. Denn der Klimawandel führt dort zu geringeren Niederschlagsmengen, wie bereits aus früheren Studien bekannt ist. Zudem führen höhere Temperaturen dazu, dass vermehrt Bodenwasser verdunstet. Lediglich bei kleinen Flüssen können die Überschwemmungen in diesen Regionen mitunter zunehmen, wie die Wissenschaftler herausfanden – unter anderem bedingt durch häufigere Gewitter und Veränderungen in der Landnutzung wie Entwaldung. Im kontinentalen Klima Osteuropas ergibt sich ein ähnliches Bild: Dort sinken die Überschwemmungsniveaus ebenfalls. In diesem Fall ist den Ergebnissen zufolge vor allem der weniger werdende Schnee im Winter und die damit verbundene geringere Schneeschmelze ein entscheidender Treiber dieses Trends. “Es gibt in ganz Europa klare Muster des Hochwasserrisikos, die mit den prognostizierten Auswirkungen des Klimawandels übereinstimmen”, konstatiert Blöschl.





