Der Transfer eines Embryos in eine Leihmutter ist bei Menschen und Tieren wie Pferden und Kühen weit verbreitet. Ein Team des Wissenschafts- und Artenschutz-Konsortiums BioRescue hat diese reproduktionsmedizinische Methode in aufwendiger Forschung auch für Nashörner möglich gemacht – kein leichtes Unterfangen bei den rund zwei Tonnen schweren Wildtieren. Die damit verbundene Hoffnung ist, durch künstliche Befruchtung Nashorn-Babys zu erzeugen und in Leihmüttern austragen zu lassen. Das würde den seltenen Nachwuchs der Nashörner erhöhen und könnte das Nördliche Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cottoni) sogar vor dem Aussterben retten – von ihm existieren nur noch zwei lebende Exemplare. Bislang hat das Team 13 Embryotransfers an Nashörnern durchgeführt, drei in Kenia und zehn in Europa. Jedoch kam bislang nie eine stabile Schwangerschaft der Leihmutter zustande.

Erfolgreicher Embyronentransfer bei Nashörnern
Im September 2023 hat das Team in Italien nun erneut zwei in-vitro befruchtete Embryonen von Südlichen Breitmaulnashörnern (Ceratotherium simum simum) erzeugt und anschließend auf der Ol Pejeta-Station in Kenia in die Gebärmutter der Nashorn-Leihmutter Curra derselben Art eingepflanzt. Die Eizellen, die zur Erzeugung der Embryonen verwendet wurden, stammten von einem Südlichen Breitmaulnashorn-Weibchen, das im belgischen Zoo Pairi Daiza lebt. Das für die Befruchtung verwendete Sperma stammte von einem Männchen aus dem Zoo Salzburg, ebenfalls ein südliches Breitmaulnashorn. Und tatsächlich nistete sich diesmal ein Embryo in der Leihmutter ein: Das Team stellte bei Beobachtungen des Nashorn-Weibchens eine Schwangerschaft fest.
Allerdings starb die Leihmutter Curra unerwartet rund zwei Monate nach dem Embryonentransfer. Extreme Regenfälle hatten das Gehege der Leihmutter überschwemmt und dabei Sporen von Clostridien an die Erdoberfläche gespült. Die Obduktion des Tieres ergab eine Vergiftung durch das Toxin dieser Bakterien. Zugleich wurde festgestellt, dass Curra mit einem 70 Tage alten, 6,4 Zentimeter langen und damit gut entwickelten und lebensfähigen männlichen Fötus trächtig war. DNA-Analysen des Fötus bestätigten dies. „Beim Pferd, dem engsten Verwandten des Nashorns, kommt es in den ersten 50 Tagen am häufigsten zu Verlusten des Fötus. Die Entwicklung dieses Fötus deutet darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Geburt bei über 95 Prozent gelegen hat“, erklärt Cesare Galli von der italienischen Tierklinik Avantea.





