Experimente mit dem Ziel, einen menschlichen Klon herzustellen, laufen bereits. Das behaupten der Reproduktionsmediziner Severino Antinori aus Italien und Panayiotis Michael Zavos aus Kentucky. Die Labors und privaten Sponsoren der Versuche wollen die Forscher aus “Sicherheitsgründen” jedoch nicht nennen. Am Experiment beteiligte Wissenschaftler behaupteten auf einer Konferenz in Rom, dass ein geklontes Baby in ein oder zwei Jahren möglich ist.
Panayiotis Zavos ist wissenschaftlicher Direktor des Kentucky Center for Reproductive Medicine und Leiter von zwei eigenen, weltweit operierenden Firmen für Produkte und Technologien der Reproduktionsmedizin. Einen menschlichen Klon herzustellen, so Zavos wörtlich, hieße nur, unfruchtbaren Männern die Möglichkeit zu geben, ihr genetisches Material weiterzugeben. Dabei will er ähnlich wie britische Wissenschaftler vorgehen, die das Schaf “Dolly” geklont haben.
Normale Zellen des Vaters werden dazu in ein Ei injiziert, aus dem zuvor alles genetische Material entfernt worden ist. Das Ei wiederum wird der Mutter implantiert. Das bedeutet, dass nur die Gene des Mannes weitergegeben werden, das Kind also ein Klon des Vaters ist.
Mehr als 600 Paare, die sich ein Kind wünschen, hätten sich gemeldet, um an den Klonversuchen teilzunehmen, so der Wissenschaftler in einer Pressekonferenz in Rom. Sein Kollege Severino Antinori sorgte bereits vor einigen Jahren für kontroverse Diskussionen, als er einer 62 Jahre alten Frau zu Schwangerschaft und Geburt verhalf. Gemeinsam wollen Zavos und Antinori nun das Tabu des Klonens von Menschen brechen. Kritik kommt vor allem aus den Reihen der Reproduktionsbiologen selbst. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass nur etwa ein Prozent der Versuchsembryonen tatsächlich lebensfähig ist. Die Schwangerschaft ist dabei schon für die Mütter gefährlich. Oft werden große Mengen Fruchtwasser produziert, die der Leib der Mutter nicht aushalten kann. Viele Klone müssen deshalb abgetrieben werden.
Und selbst bei den wenigen Klonen, die tatsächlich geboren werden, treten Missbildungen und Krankheiten auf. “Was tun wir mit menschlichen Klonen, die auf die Welt kommen und ihr Leben lang krank sind?” fragt sich Rudolf Jaenisch vom Whitehead Institute for Biomedical Research in Cambridge/Massachusetts. Er plädiert dafür, mit den Versuchen noch einige Jahre zu warten, bis die Technik ausgereifter ist.
Viele der Probleme, die das Klonen schwierig machen, beginnen damit, dass wesentliche Vorgänge bei der Entwicklung von Embryonen wissenschaftlich noch gar nicht verstanden werden. So sei zwar klar, dass im Ei nach einer normalen Befruchtung ein Prozess stattfindet, der das genetische Material von Vater und Mutter ordnet und unterscheidet. Wie dieser “Imprinting” genannte Prozess aussieht, weiß bisher jedoch keiner. Bewusst ist den Wissenschaftlern jedoch inzwischen, dass dieses “Imprinting” bei geklonten Embryonen fehlerhaft abläuft. Die Klonexperimente provozieren auch die Kritik von Medizinern, die ihren Kollegen vorwerfen, sich mit der Aura moderner Pioniere zu umgeben und dabei nur am Profit interessiert zu sein. Vertreter der Kirche und bioethischer Organisationen verurteilen die Versuche als unzulässig im Sinne der Schöpfung.
Der Generalsekretär des Europarates Walter Schwimmer bekräftigte inzwischen, dass Europa am Abkommen gegen das Klonen von Menschen festhält. Das Abkommen verbietet alle wissenschaftlichen Arbeiten, die dazu führen, einen Menschen herzustellen, dessen Genmaterial identisch mit dem eines anderen Menschen ist. Es gestattet jedoch die Herstellung geklonter menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken. Das Abkommen wurde von 24 Ländern unterzeichnet, darunter Frankreich, Dänemark und Portugal. Am 1. März dieses Jahres trat es in Kraft. Deutschland unterzeichnete das Abkommen allerdings nicht, mit der Begründung, dass das Klonen von Embryonen für Forschungszwecke ebenfalls verboten werden müsse. Auch Japan möchte generell verbieten, menschliche Embryonen zu klonen. In Großbritannien und den USA dagegen sind Experimente mit Stammzellen und Embryonen erlaubt. Dort müssen sich Wissenschaftler allerdings eine Lizenz besorgen, wenn sie entsprechende Forschung betreiben möchten. Und die, so versichern die zuständigen Behörden, wird es für Reproduktionsmediziner nicht geben, wenn sie geklonte Babys in die Welt setzen wollen. “Die Welt muss sich damit abfinden, dass es möglich ist, Menschen zu klonen. Und es bleiben immer noch genug Nationen übrig, die es nicht verbieten werden”, so die Reaktion der Mediziner Zavos und Antinori auf die ablehnende Haltung der Europäer.
Gabriele Dinkhauser





