Wegen der großen Meereisflächen rund um die Antarktis ist der Meeresgrund der antarktischen Küstenbereiche bislang kaum erforscht. Doch gerade dort vermuten Geowissenschaftler rund ein Viertel aller Methanvorkommen der Erde. “Die Antarktis könnte Schätzungen zufolge zwischen 80 und 400 Gigatonnen Kohlenstoff in Form von Methan umfassen – das ist ein substanzieller Anteil der weltweiten Methanreservoire in marinen Reservoiren”, erklären Andrew Thurber und seine Kollegen von der Oregon State University. Wenn sich das Meereis im Zuge des Klimawandels weiter zurückzieht und der Meeresgrund wärmer wird, könnte das potente Treibhausgas aus dem Meeresgrund entweichen und einen signifikanten Beitrag zur weiteren Aufheizung der Atmosphäre leisten.
Entdeckung unter dem Meereis
Doch wie wahrscheinlich es ist, dass sich entlang der antarktischen Küsten Methan-Austritte bilden, ist bislang unbekannt. Ebenso, wie viel von dem dort austretenden Gas bis ins Wasser und die Atmosphäre gelangt. Zwar zehren an den meisten unterseeischen Methanquellen Bakterien einen großen Teil des Methans auf, bevor es in die Luft entweicht. Weil aber in der Antarktis noch keine aktive Methanquelle gefunden wurde, ließ sich dies für diese Region bislang nicht bestätigen oder widerlegen – bis jetzt. Denn Thurber und sein Team haben jetzt den ersten aktiven Methan-Austritt in antarktischen Gewässern entdeckt und untersucht. “Das ist eine bedeutende Entdeckung, die dabei helfen kann, die große Lücke in unserem Verständnis des irdischen Methankreislaufs zu schließen”, betont Thurber. Aufgespürt haben er und sein Team die Methanquelle überraschenderweise an einer Stelle des Meeresgrunds, die schon seit den 1960er-Jahren intensiv erforscht worden ist. Sie befindet sich am Rand des Ross-Schelfeises vor der Küste der Ross-Insel, auf der unter anderem der aktive Vulkan Mount Erebus liegt.
Während noch bis zum Jahr 2010 an dieser an dieser Stelle nichts Auffallendes festzustellen war, hatte sich dies bis 2011 geändert. Nun beobachteten Taucher am rund zehn Meter unter der Meereisdecke liegenden Meeresgrund eine ausgedehnte weißliche Bakterienmatte, die sich über 70 Meter Länge erstreckte und rund einen Meter breit war. “Diese mikrobielle Matte ist ein deutliches Anzeichen dafür, dass es hier einen Methan-Austritt gibt”, erklärt Thurber. Tatsächlich ergaben Messungen, dass das Wasser oberhalb dieser Matte mit Methan angereichert ist und dass auch Methan aus dem Sediment austritt. Damit hatten die Forscher die erste aktive Methanquelle der Antarktis entdeckt. Noch wichtiger aber: Die Entdeckung erfolgte kurz nachdem sich dieser Gasaustritt gebildet hatte, was es dem Team ermöglichte, erstmals die Entwicklung einer frischen Methanquelle in dieser Region mitzuverfolgen. “Es war pures Glück nötig, um eine aktive Methanquelle zu finden – und das hatten wir”, sagt Thurber.





