Trotz der vehementen Warnrufe vor den Folgen der steigenden Kohlendioxid-Konzentrationen verschärfte sich die Belastung im vergangenen Jahrzehnt stetig: Die globalen Treibhausgasemissionen stiegen jedes Jahr um weitere rund vier Prozent. Eine Studie des European Commission’s Joint Research Centre (EC-JRC) und der PBL Netherlands Environmental Assessment Agency legt nahe, dass die Menschheit bei ihrem Katastrophenkurs nun wenigstens erst einmal den Druck vom Gaspedal genommen hat: Im Jahr 2012 nahm der globale CO 2-Ausstoß demnach nur um 0,8 Prozent zu, 2013 waren es 1,5 Prozent und 2014 sank der Zuwachs schließlich auf 0,5 Prozent.
Rückgang trotz globalen Wirtschaftswachstums
Zu dem geringen Wert im vergangenen Jahr kam es, obwohl die Weltwirtschaft um drei Prozent gewachsen ist, betont die Europäische Kommission in einer Mitteilung. Der Trend der letzten drei Jahre lässt unterm Strich damit eine Entkopplung der CO 2-Emissionen vom Wirtschaftswachstum vermuten. Von einem wirklich globalen Trend kann man dabei allerdings nicht sprechen. Besonders ein Sorgenkind zeichnet sich zunehmend ab: Die aufstrebende Wirtschaft Indiens verzeichnete einen Zuwachs des CO 2-Ausstoßes um 7,8 Prozent und avancierte nun zum viertgrößten Treibhausgasproduzenten nach der Europäischen Union, den USA und dem Spitzenreiter China.
Von den vier großen Verursachern hat die Europäische Union am meisten reduziert: Im Vergleich zu 2013 sanken die CO 2-Emissionen um 5,4 Prozent. Auch in den Jahren zuvor waren die Raten bereits zurückgegangen. Insgesamt liegt die EU beim Kohlendioxidausstoß nun 23 Prozent unter dem Niveau von 1990. Zum ersten Mal sank damit ihr Anteil an den weltweiten Gesamtemissionen unter 10 Prozent. Die Studie legt für diesen Rückgang drei Hauptgründe nahe: Emissionsreduktion bei Industrieanlagen und Kraftwerken, einen Rückgang des Ölverbrauchs im Verkehrssektor – aber offenbar war auch ein Faktor verantwortlich, der fast perfide wirkt: Milde Winter haben zu einem niedrigeren Heizbedarf geführt.
Abgesehen von der EU haben beispielsweise auch Japan (-2,6%) Russland (-1,5%) und Australien (-2,1%) weniger Kohlendioxid freigesetzt als zuvor. Die USA haben hingegen erneut um etwa 0,9 Prozent zugelegt, ähnlich wie China. Doch beim riesigen Land der Mitte ist auch dies ein ermutigendes Ergebnis, denn in den vergangenen Jahren waren die Raten deutlich höher. Letztlich ist somit ein großer Teil der gesamten Eindämmung der globalen Emissionen auf Chinas strukturelle Veränderungen zugunsten weniger kohlenstoffarmer Verfahren zurückzuführen, besagt die Studie. So ergab sich der globale Gesamtausstoß von 35,7 Milliarden Tonnen CO 2 im Jahr 2014, im Vergleich zu 35,3 Milliarden Tonnen im Jahr 2013.





