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Elektrosmog stört die Orientierung von Fledermäusen
Erde & Umwelt

Elektrosmog stört die Orientierung von Fledermäusen

Die Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus) ist die kleinste Fledermausart Mitteleuropas. Auf ihren Wanderungen zwischen Sommer- und Winterquartier orientiert sie sich unter anderem am Magnetfeld der Erde. · Foto: Christian Giese

Haushaltgeräte, Stromleitungen, Handys und viele weitere menschliche Technologien senden schwache elektromagnetische Wellen aus. Für uns Menschen gilt dieser Elektrosmog im Rahmen der zulässigen Grenzwerte als unkritisch. Auf Tiere dagegen, die sich am natürlichen Magnetfeld der Erde orientieren, können die künstlichen elektromagnetischen Felder schwerwiegende Auswirkungen haben. Eine Studie zeigt nun, dass Mückenfledermäuse, die für 30 Minuten schwachem Elektrosmog ausgesetzt waren, sogar mehrere Stunden später noch Probleme mit der Orientierung hatten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass elektromagnetische Störfelder Tiere auch über die unmittelbare Exposition hinaus beeinträchtigen.
Autor
Redaktion
08. Juni 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Viele Tiere, darunter Zugvögel und Fledermäuse, orientieren sich bei ihren Wanderungen unter anderem am Magnetfeld der Erde. Dadurch reagieren sie auch sensibel auf andere magnetische Felder, die beispielsweise durch menschliche Technologien erzeugt werden. Bekannt ist bereits, dass elektromagnetische Strahlung, wie sie von Radioantennen und Haushaltsgeräten verursacht wird, den inneren Kompass von Zugvögeln durcheinanderbringen kann. Dabei genügen bereits niedrige Intensitäten, die weit unter den für Menschen als unbedenklich geltenden Grenzwerten liegen.

Gestörter innerer Kompass

Nun hat ein Team um Oliver Lindecke von der Universität Oldenburg festgestellt, dass auch Fledermäuse durch Elektrosmog gestört werden. Für ihr Experiment fingen die Forschenden wildlebende Mückenfledermäuse (Pipistrellus pygmaeus) in Lettland und setzten einen Teil der Tiere am folgenden Abend bei Sonnenuntergang für 30 Minuten schwacher Breitbrandstrahlung im Frequenzbereich von 10 Kilohertz bis 300 Megahertz aus. Einige Stunden später ließen sie die Fledermäuse einzeln wieder frei und beobachteten, in welche Richtung sie flogen. Würden sie in die Himmelsrichtung starten, die ihrer natürlichen Zugroute entsprach?

Das Ergebnis: „Während sich die Fledermäuse der Kontrollgruppe normal orientierten, zeigten die Fledermäuse, die zuvor elektromagnetischen Störsignalen ausgesetzt waren, eine zufällige Flugrichtung beim Abflug“, berichten Lindecke und seine Kollegen. Offenbar war der Richtungssinn der Tiere durcheinandergeraten. Frühere Studien des Teams hatten bereits gezeigt, dass Mückenfledermäuse ihren Magnetkompass nach Möglichkeit jeden Tag bei Sonnenuntergang neu justieren. In der aktuellen Studie störten offenbar die künstlichen elektromagnetischen Felder diese Neukalibrierung.

Andauernde Auswirkungen

Doch auch, wenn die Fledermäuse den Sonnenuntergang ungestört beobachten konnten und erst danach dem elektromagnetischen Rauschen ausgesetzt wurden, litt ihr Orientierungssinn. Obwohl die Tiere nur für kurze Zeit mit dem Störfeld konfrontiert waren, hielt diese Wirkung über mehrere Stunden an. „Dieser Effekt hat uns sehr überrascht“, sagt Lindecke. „Untersuchungen an Zugvögeln deuten darauf hin, dass deren Magnetsinn sofort wieder funktioniert, wenn kein elektromagnetisches Rauschen mehr vorhanden ist.“ Bisher nahm man deshalb an, dass elektromagnetische Störfelder wandernde Tiere allenfalls unmittelbar beeinträchtigen können, wenn sie ihnen während ihres Zuges nahekommen.

„Unsere Ergebnisse weisen jedoch darauf hin, dass selbst eine kurze Exposition gravierende Auswirkungen haben kann, die länger anhalten als das elektromagnetische Rauschen selbst“, sagt Co-Autor Richard Holland von der Bangor University in Großbritannien. Demnach könnte sich Elektrosmog auf komplexere Art auf das Verhalten von Tieren auswirken als bisher gedacht. Gerade die zunehmende Urbanisierung und die steigende Verbreitung drahtloser Technologien, die verstärkt für künstliche elektromagnetische Felder sorgen, könnten demnach das Zugverhalten von Wildtieren stören. „Die geltenden Grenzwerte sollen uns Menschen schützen, berücksichtigen aber nicht die Tierwelt“, sagt Lindecke. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Wildtiere schon weit unterhalb dieser Schwellen beeinträchtigt werden können.“

Quelle: Oliver Lindecke (Universität Oldenburg) et al., Science, doi: 10.1126/science.adq4418

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