Die Vögel sind darin gegenüber der Sonne und anderen visuellen Landmarken abgeschirmt, so dass sie sich nur auf ihren Magnetkompass verlassen können. Typischerweise hindert dies die Zugvögel nicht daran, zur Zugzeit immer wieder in die Käfigecke zu gehen oder zu fliegen, in der ihre normale Zugrichtung liegt. “Wir waren daher überrascht, als wir bei unseren Versuchen feststellten, dass Rotkehlchen in Holzhütten auf dem Campus der Universität Oldenburg nicht ihren Magnetkompass nutzen konnten”, erklärt Mouritsen. Die Vögel waren offensichtlich orientierungslos, obwohl es für sie eigentlich ein leichtes sein müsste, die richtige Richtung anzupeilen.
Abgeschirmt wieder auf Peilung
Um herauszufinden, was den Magnetkompass der Rotkehlchen störte, wandelten die Forscher ihr Experiment nun ab: Statt der Holzhütten bauten sie Orientierungskäfige mit geerdeten Aluminiumplatten. Diese Abschirmung lässt das für die Navigation der Vögel entscheidende statische Magnetfeld der Erde unberührt, dämpft aber den Elektrosmog. In den Hütten sank dadurch das elektromagnetische Rauschen im Bereich von 50 Kilohertz bis 20 Megahertz um etwa der Hundertfache.
Die Wirkung war verblüffend: Die Vögel hatten nun plötzlich keine Probleme mehr, sich zu orientierten, und fanden ihre Zugrichtung, wie die Forscher berichten. “Per Zufall hatten wir ein biologisches System entdeckt, das empfindlich auf vom Menschen verursachten Elektrosmog im Frequenzbereich bis zu fünf Megahertz reagiert”, sagt Mouritsen. Überraschend dabei: Die Intensität der Störungen lag weit unter den Grenzwerten der Internationalen Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) und der WHO.
Um diesen Effekt sicher zu beweisen, führten die Forscher sieben Jahre lang weitere Experimente durch. Mehrere Generationen von Studierenden wiederholten auf dem Oldenburger Campus unabhängig voneinander die Versuche, sowohl mit geerdeten Hütten als auch mit Pseudoabschirmungen. Dabei wussten die auswertenden Beobachter jeweils nicht, um welche Variante es sich handelte. Auch die Wirkung von künstlich in die isolierten Hütten eingestrahltem Elektrosmog testeten die Forscher. Aber immer wieder zeigte sich: Sobald die Abschirmung wegfiel oder das elektromagnetische Breitbandrauschen absichtlich innerhalb der Hütten erzeugt wurde, versagte die magnetische Orientierung der Vögel.
Orientierungslos in Städten
“Wir haben damit einen eindeutigen und reproduzierbaren Effekt menschengemachter elektromagnetischer Felder auf ein Wirbeltier dokumentiert”, sagt Mouritsen. “Die Auswirkungen der schwachen elektromagnetischen Felder sind bemerkenswert: Sie stören die Funktion eines gesamten sensorischen Systems bei einem gesunden höheren Wirbeltier.”





